Wieder schwere Proteste im Iran - Berichte über Schüsse

Die Protestwelle im Iran ist ungebrochen: Seit dem Tod einer jungen Frau gehen die Menschen zu Tausenden gegen das politische Regime in dem Land auf die Straßen. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen.
Auch in Deutschland gibt es Proteste gegen das politische Regime im Iran. Eine Frau demontriert vor dem US-Konsulat in Frankfurt am Main. © Boris Roessler/dpa

Im Iran sind wieder Tausende Menschen bei Protesten nach dem Tod einer jungen Frau in Polizeigewahrsam auf die Straßen gegangen.

In der Nacht zum Donnerstag gab es erneut gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Auf Videos, die nicht verifiziert werden konnten, wird auch von Schüssen mit scharfer Munition auf die Proteste berichtet. Das Internet ist massiv eingeschränkt und insbesondere mobile Netzwerke sind weitgehend abgeschaltet. Auch Instagram als eines der letzten freien sozialen Netzwerke wurde gesperrt.

Amnesty fordert Untersuchung der Menschenrechtslage

Angesichts der Proteste fordert Amnesty International Untersuchungen der Menschenrechtslage in dem Land. Notwendig sei ein «unabhängiger internationaler Untersuchungs- und Rechenschaftsmechanismus» zur verbreiteten Straflosigkeit im Iran, mahnte die Menschenrechtsorganisation an die gerade tagende UN-Vollversammlung gewandt.

«Die iranische Regierung verletzt seit Jahren systematisch fundamentale Menschenrechte. Willkürliche Verhaftungen, Folter, außergerichtliche Hinrichtungen sowie die brutale Niederschlagung von Protesten werden durch die grassierende Straflosigkeit gefördert», erklärte die Nahostexpertin bei Amnesty International Deutschland, Katja Müller-Fahlbusch.

Die Expertin rief auch die Bundesregierung auf, hier tätig zu werden. Im Koalitionsvertrag seien Menschenrechte als unverzichtbare Grundlage der Außenpolitik definiert worden. Dieser Selbstverpflichtung müsse die Bundesregierung deutlich und schnell Rechnung tragen.

Iranischer Fußballstar solidarisiert sich

Unterdessen solidarisierte sich der iranische Fußballstar Ali Karimi mit den Protesten in seiner Heimat. Der Ex-Profi erhielt dafür Zuspruch vieler Iranerinnen und Iraner, die gegen den Tod einer jungen Frau im Polizeigewahrsam auf die Straßen gegangen waren. «Hab keine Angst vor starken Frauen. Vielleicht kommt der Tag, an dem sie deine einzige Armee sind», schrieb der Ex-Profi, der in der Vergangenheit auch in der Bundesliga verpflichtet war, auf Twitter. Karimi lebt selbst im Iran.

Auslöser der Proteste ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini. Sie war vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen worden. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah ist unklar, jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück. Seitdem demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung.

© dpa
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