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Nach Feuerpause wieder heftige Kämpfe im Gazastreifen

Eine Woche schwiegen die Waffen zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas. Mehr als 100 Geiseln kamen frei, Hilfsgüter für die Zivilbevölkerung wurden geliefert. Nun ist die Kampfpause vorbei. Der Überblick.
Ashkelon
Beeri
Nahostkonflikt - Rafah
Nahostkonflikt - Gazastreifen
Nahostkonflikt - Gaza-Stadt

Nach einwöchiger Waffenruhe ist der Krieg im Gazastreifen mit voller Wucht zurück. Israels Armee nahm die Kämpfe gegen die islamistische Hamas wieder auf und griff binnen weniger Stunden mehr als 200 Ziele im Norden und im Süden des abgeriegelten Küstenstreifens an.

Aus dem Gazastreifen wurden Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Bemühungen um eine Verlängerung der Feuerpause und weitere Geiselfreilassungen waren zuvor gescheitert.

Nach Angaben von Vermittler Katar wurde aber zumindest weiter verhandelt, um die Kämpfe erneut auszusetzen. Darauf drangen auch die Vereinten Nationen und Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats von US-Präsident Joe Biden sagte zu den Verhandlungen: «Die Hamas hat bisher noch keine Geiselliste vorgelegt, die eine weitere Verlängerung der Pause ermöglichen würde.»

Unabhängig vom aktuellen Kriegsgeschehen sorgte die «New York Times» für Aufsehen mit einem Bericht, dass Israel schon etwa ein Jahr vor dem blutigen Angriff der Hamas vom 7. Oktober Hinweise auf genau solche Pläne hatte. Demnach gab es einen Austausch israelischer Behörden zu einem 40-seitigen Dokument mit Codenamen «Jericho-Mauer», das einen Gefechtsplan der Hamas skizzierte. Er sei letztlich von Experten als zu anspruchsvoll für die Hamas abgetan worden.

Der Hamas-Angriff auf Israel mit etwa 1200 Toten und rund 240 verschleppten Geiseln war Anlass der israelischen Offensive im Gazastreifen. Vorige Woche hatten Israel und die Hamas unter Vermittlung Katars, Ägyptens und der USA erstmals eine Feuerpause vereinbart, die zwei Mal kurz verlängert wurde. In der Zeit ließ die Hamas 105 Geiseln frei, darunter 14 Deutsche, und Israel im Gegenzug 240 palästinensische Häftlinge.

Zudem gelangten tonnenweise Hilfsgüter in den Gazastreifen für die rund zwei Millionen palästinensischen Zivilisten. Der Palästinensische Rote Halbmond sprach von 1000 Lastwagen mit Hilfsgütern, davon 310 für den Norden des abgeriegelten Gebiets.

Konfliktparteien geben sich gegenseitig die Schuld

Eine weitere Verlängerung der Vereinbarung gelang in der Nacht nicht mehr. Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warf der Hamas vor: «Sie ist ihrer Verpflichtung, alle weiblichen Geiseln freizulassen, heute nicht nachgekommen und hat Raketen auf israelische Bürger abgefeuert.»

Der Hamas-Funktionär Chalil Al-Haja sagte seinerseits dem arabischen TV-Sender Al-Dschasira, Israel habe «mehrere Angebote, Initiativen und Vorschläge» für eine Verlängerung der Feuerpause abgelehnt. Nach Fristablauf um 6.00 Uhr MEZ am Morgen griffen israelische Kampfjets nach Armeeangaben dann erneut Ziele der Hamas an.

Hamas meldet mehr als hundert Tote

Israels Armee zog nachmittags eine erst Bilanz: Die Boden-, Luft- und Seestreitkräfte griffen demnach 200 Ziele an, den Angaben nach auch im Süden des Gazastreifens. Das Militär hatte zuvor wochenlang die Bewohner des nördlichen Küstenstreifens aufgefordert, zu ihrer Sicherheit in den Süden zu flüchten. Es wird nun erwartet, dass Israel die Angriffe auch im südlichen Teil ausweiten könnte.

Der Armee zufolge wurde auf Gebiete gezielt, die mit Sprengfallen versehen waren, sowie auf Schächte von Tunneln, Abschussrampen und Kommandozentralen. Die Angaben waren nicht unabhängig zu überprüfen. Das gilt auch für Aussagen des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen vom Nachmittag, wonach bei den Angriffen 109 Menschen getötet worden sein sollen. Hunderte weitere seien verletzt worden.

Nach Auslaufen der Feuerpause kamen zunächst keine Hilfslieferungen mehr über den Grenzübergang Rafah im Gazastreifen an. Das bestätigte der palästinensische Sprecher des Grenzübergangs zwischen dem Gazastreifen und Ägypten der Deutschen Presse-Agentur. Das UN-Nothilfebüro OCHA forderte freien Zugang für weitere Hilfskonvois. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef verurteilte die neuen Kämpfe scharf und sprach von der Gefahr eines Blutbads.

Baerbock sagte in Berlin: «In diesen Minuten müssen wir alles dafür tun, dass die humanitäre Feuerpause fortgeführt wird.» Das Leid sei für die Menschen in Israel wie für die Menschen in Gaza unerträglich.

Mahnungen der USA an Israel

US-Außenminister Antony Blinken hatte am Vortag Israels Führung mit deutlichen Worten aufgefordert, Zivilisten im Gazastreifen zu schützen. Die zahlreichen Todesopfer unter der Zivilbevölkerung und die Vertreibung in einem Ausmaß, wie man sie im nördlichen Gazastreifen gesehen habe, dürfe sich im Süden nicht wiederholen.

Die israelische Regierungssprecherin Tal Heinrich sagte dem Sender CNN, man habe Blinken Pläne für sichere Zonen und mehr humanitäre Korridore vorgelegt. Israels Armee veröffentlichte eine Karte für die Zivilbevölkerung, die das Gebiet in nummerierte Zonen einteilt - «in Vorbereitung auf die nächste Phase des Krieges». Dies solle Bewohnern ermöglichen, «sich zu orientieren, die Anweisungen zu verstehen und sich bei Bedarf von bestimmten Orten aus in Sicherheit zu bringen».

Israel: Noch 137 Geiseln im Gazastreifen

Die Hamas schrieb der internationalen Gemeinschaft und insbesondere den USA die Verantwortung für «die Fortsetzung des brutalen Krieges gegen Zivilisten, Kinder und Frauen» zu. Das palästinensische Volk habe «das Recht, sich mit allen Mitteln zu verteidigen», hieß es in einer Erklärung. Die israelische Regierung bekräftigte ihrerseits das Ziel, die Hamas zu zerstören.

Israel vermutet, dass noch 137 Geiseln im Gazastreifen festgehalten werden, darunter 115 Männer, 20 Frauen und zwei Kinder.

Wieder Gefechte an der israelisch-libanesischen Grenze

Auch an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel gab es wieder Gefechte. Die vom Iran unterstütze Hisbollah-Miliz im Libanon erklärte, am Nachmittag eine Gruppe «feindlicher Soldaten» im Grenzgebiet angegriffen zu haben. Das israelische Militär meldete Beschuss aus dem Libanon und erklärte, eine Terrorzelle im Nachbarland angegriffen zu haben.

© dpa
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