Tote nach Sturm auf spanische Exklave - Kritik an Behörden

25.06.2022 Hunderte Migranten versuchen, aus Marokko in die spanische Exklave Melilla zu kommen. Dabei gibt es mindestens 18 Tote und Verletzte. Die Ereignisse lösen Empörung und scharfe Kritik aus.

Nach dem Tod von mindestens 18 Menschen beim Ansturm Tausender Migranten auf die spanische Exklave Melilla in Marokko haben Menschenrechtler schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte erhoben.

Die marokkanischen Behörden hätten «ungerechtfertigte Gewalt» eingesetzt und Migranten «misshandelt», sagte der Leiter der Marokkanischen Vereinigung für Menschenrechte (AMDH) in der Stadt Nador, Amin Abidar, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Menschen seien stundenlang ohne medizinische Hilfe eingeschlossen auf der Erde liegengelassen worden. Nach Angaben der Organisation kamen dadurch mehrere Migranten ums Leben.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez machte hingegen die «Menschenhändler-Mafia» verantwortlich. «Es war ein gewaltsamer Überfall, der von der Menschenhändler-Mafia organisiert wurde», erklärte der sozialistische Politiker in Madrid. Für Marokkos Sicherheitskräfte fand Sánchez Lob, weil sie einen Angriff «auf die territoriale Integrität des Landes (Spaniens)» abgewehrt hätten.

Im Gedränge gestorben und vom Zaun gefallen

Bis zu 2000 Menschen hatten am Freitag versucht, den Grenzzaun zwischen Marokko und Melilla zu überwinden. Marokkos staatliche Agentur MAP berichtete unter Berufung auf die lokalen Behörden, dass 18 Migranten im Gedränge gestorben oder vom Zaun gefallen seien. AMDH und die in Nordafrika bestens vernetzte spanische Organisation «Caminando Fronteras» sprachen hingegen von 27 Toten. Nach Angaben des marokkanischen Behörden stammen die Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

ADMH verbreitete Videos, auf denen zu sehen ist, wie Dutzende Migranten - umgeben von Sicherheitskräften - auf engstem Raum zusammengepfercht auf der Erde liegen. Ein Mann wird mit Blut am Kopf abgeführt. Eine Aufnahme zeigt, wie ein Uniformierter mit einem Schlagstock auf einen Mann einschlägt, der am Boden liegt. Die Aufnahmen seien von Aktivisten und Sympathisanten gemacht worden, erklärte Abidar. Er forderte schnelle und unabhängige Aufklärung.

Opfer leiden «stundenlang hilflos»

Die Ereignisse lösten auch in Spanien Empörung aus. «Caminando Fronteras» prangerte an, die Opfer hätten «stundenlang hilflos gelitten, unter den grausamen Blicken derjenigen, die ihnen hätten helfen sollen und es nicht taten». Nach Angaben von MAP wurden Dutzende weitere Migranten sowie 140 Sicherheitskräfte verletzt. Das marokkanische Innenministerium warf den Migranten vor, selbst Gewalt eingesetzt zu haben. 133 Migranten sei es gelungen, über den Zaun auf spanisches Gebiet zu gelangen, meldeten spanische Medien.

Marokko war 1956 von Frankreich und Spanien unabhängig geworden. Dennoch hält Spanien dort weiterhin zwei Exklaven: Melilla und das 250 Kilometer weiter westlich gelegene Ceuta an der Meerenge von Gibraltar. Beide Gebiete werden von Marokko beansprucht. In der Nähe warten oft Zehntausende Afrikaner vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Chance, in die EU zu gelangen.

© dpa

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