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Israel setzt im Kampf gegen Hamas auf gezielte Tötungen

In den vergangenen Jahrzehnten hat Israel immer wieder militante Anführer der Hamas gezielt getötet. Im letzten Jahrzehnt wurde die umstrittene Praxis seltener. Doch jetzt gilt sie wieder als Mittel der Wahl.
Nahostkonflikt
Ein israelischer Soldat patrouilliert nach dem Hamas-Anschlag in einem Gebiet der Stadt. © Ilia Yefimovich/dpa

Israel will als Reaktion auf den schlimmsten Terroranschlag in seiner Geschichte die militärische und politische Führungsriege der im Gazastreifen herrschenden Hamas ausschalten. «Es ist Israels Ziel, die Hamas vollständig zu zerstören und den Gazastreifen zu erobern», erklärt Brigadegeneral Amir Avivi.

Israel hatte in der Vergangenheit immer wieder politische und militärische Führer der Hamas und anderer militanter Palästinenserorganisationen gezielt getötet. Doch diese Praxis ist umstritten, Kritiker sehen sie als mögliche Verletzung des Völkerrechts. Außerdem wurde ihre Effektivität immer wieder in Frage gestellt.

Israel sieht keine Alternative

Am 7. Oktober, dem «schwarzen Schabbat» (Samstag), drangen nach Medienangaben rund 2500 Hamas-Terroristen aus dem Gazastreifen in einem Überraschungsangriff in Israel ein. Unter Zivilisten in Grenzorten und auf einem Musikfestival richteten sie ein Massaker an. Mehr als 1400 Tote hat Israel dabei und in den Tagen danach zu beklagen.

Regierung und große Teile der Opposition im Land sind sich einig, dass es nach den verstörenden Gräueltaten auch an Frauen und Kindern nicht mehr möglich ist, irgendeine Form der Hamas-Herrschaft in dem Küstenstreifen zu dulden. «Was die Hamas uns angetan hat, verlangt eine Behandlung wie von Nazis», sagt General Avivi. Es werde vermutlich einige Monate dauern, «den ganzen Gazastreifen sauberzumachen», sagt er. «Es wird nichts von der Hamas übrig bleiben.» Seit mehr als zwei Wochen greift Israels Luftwaffe Hamas-Ziele im Gazastreifen an. Dabei wurde nach Militärangaben bereits eine Reihe von ranghohen Mitgliedern getötet. Bei den Bombardements kamen nach Krankenhausangaben auch viele Zivilisten ums Leben.

Hamas-Führung wird kein Tageslicht mehr sehen

Nach dem Massaker gehe Israel nun «schonungslos gegen die Hamas-Führung vor» und werde dies auch fortsetzen, sagt auch der palästinensische Journalist und Hamas-Kenner Mohammed Daraghmeh. Er glaube nicht, dass Führungsfiguren wie Mohammed Deif, Chef des bewaffneten Hamas-Flügels, oder der Hamas-Chef Jihia al-Sinwar auch im Falle einer Waffenruhe «jemals wieder über der Erde in Gaza erscheinen können». Er ist davon überzeugt, dass Israel auch nach dem Krieg schärfste Sicherheitsvorkehrungen treffen und den Küstenstreifen ständig überwachen wird. «Jeder Hamas-Führer würde dann sofort gezielt getötet, sollte er sich offen zeigen.»

Lange Geschichte gezielter Tötungen

Mohammed Deif, der allerdings schon seit Jahren im Versteck lebt, hatte am 7. Oktober in einer seltenen Botschaft die «Militäroperation» gegen Israel angekündigt. Er gilt in Gaza als einer der wichtigsten Drahtzieher. Deif, bekannt auch als das «Phantom», hat mehrere Tötungsversuche überlebt, soll aber wegen seiner schweren Verletzungen im Rollstuhl sitzen.

Bei einem Luftangriff auf ein Haus in Gaza gegen Ende des Gaza-Kriegs 2014 kamen seine Ehefrau und sein kleiner Sohn ums Leben. Deif konnte entkommen.

Bei der Bombardierung des Hauses von Hamas-Führer Salah Schehade im Juli 2002 in Gaza wurden auch 14 unbeteiligte Palästinenser getötet, unter ihnen mehrere seiner Kinder.

Misslungener Giftanschlag in Amman

Die versuchte Tötung des Hamas-Führers Chaled Maschaal, heute eine Art «Außenminister» der islamistischen Organisation, gilt als einer der größten Misserfolge in der Geschichte des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad. Israelische Agenten hatten 1997 in der jordanischen Hauptstadt Amman versucht, ihn mit einem tödlichen Gift zu besprühen. Der jordanische König Hussein war über den Giftanschlag auf seinem Territorium - drei Jahre nach dem Friedensschluss mit Israel - so empört, dass er den damaligen und heutigen Regierungschef Benjamin Netanjahu zwang, ein Gegengift zur Rettung von Maschaal liefern zu lassen.

Als Teil der Besänftigungsbemühungen war Israel damals auch gezwungen, den spirituellen Hamas-Führer Ahmed Jassin freizulassen. 2004 kam der im Rollstuhl sitzende Jassin dann aber ebenfalls bei einem gezielten Luftangriff Israels ums Leben. Später tötete Israel auch dessen Nachfolger Abdel Asis Rantisi und 2012 den Hamas-Militärchef Ahmed Dschabari.

Schin Bet Sondereinheit soll an Massaker Beteiligte aufspüren

Der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet hat nun eine Spezialeinheit eingerichtet, die all jene aufspüren und töten soll, die an dem Massaker beteiligt waren. Dies gilt besonders für Mitglieder der Hamas-Sturmeinheit «Nuchba» (Deutsch: Elite), die das Eindringen nach Israel am 7. Oktober anführten.

Daraghmeh erwartet nun ein Vorgehen Israels ähnlich wie nach dem Olympia-Attentat von 1972 in München. Palästinensische Terroristen waren damals in die Unterkunft der israelischen Sportler im Olympischen Dorf eingedrungen. Sie erschossen zwei Männer und nahmen neun Geiseln, die später bei einem Blutbad auf dem Flugplatz in Fürstenfeldbruck ums Leben kamen. Mit der Aktion hatten die Terroristen rund 200 Gefangene in Israel freipressen wollen.

«Nach München hat Israel viele militante PLO-Anführer gezielt angegriffen», sagt Daraghmeh. «Ich denke, Israel wird jetzt auf alle Mitglieder des bewaffneten Hamas-Arms abzielen, entweder im Ausland oder in Gaza.» Ob auch die politische Auslandsführung der Hamas im Golfstaat Katar und im Libanon auf der Abschussliste steht, ist allerdings noch unklar.

Kann Israel die Hamas dauerhaft beseitigen?

Daraghmeh ist überzeugt, dass die Hamas «immer ein politischer Akteur bleiben wird, ganz gleich wie viel Schaden dieser Krieg ihren politischen und militärischen Einrichtungen zufügen wird». Die Hamas habe einen starken Rückhalt in der palästinensischen Bevölkerung, weil sie dort als Kämpfer gegen die israelische Besatzung gelte. «Die Hamas steht für viele für die Idee der Befreiung», erklärt er. «Jedes Volk unter Besatzung unterstützt jene, die gegen diese Besatzung kämpfen.» Die Hamas benutze zwar «brutale Methoden», sagt er. «Aber Leute rechtfertigen dies damit, dass auch die Besatzung brutal ist, dass die Besatzung Zivilisten getötet hat.»

Brigadegeneral Avivi ist dagegen überzeugt, dass Israel die Hamas, die auch von EU und USA als Terrororganisation eingestuft wird, vollständig entmachten kann. «Man kann zwar eine Idee nicht töten, aber man kann die Fähigkeiten zerstören», sagt er. Israel müsse nach dem Krieg weiter die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten kontrollieren, um ein Wiedererstarken der islamistischen Organisation zu verhindern.

Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant sagte bei einem Besuch im Kommandozentrum der Luftwaffe mit Blick auf die erwartete Bodenoffensive: «Dies muss unser letzter Einsatz in Gaza sein.» Es werde «einen, zwei oder drei Monate dauern, aber am Ende wird es die Hamas nicht mehr geben».

© dpa ⁄ Sara Lemel, dpa
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