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Helfer machtlos angesichts «humanitärer Katastrophe» in Gaza

Verdrecktes Wasser, kein Essen und keine Hilfe - Organisationen beschreiben die Situation in Gaza als «unaussprechlich». Auf Drängen von außen kündigt Israel die Öffnung eines weiteren Grenzübgans an.
Nahostkonflikt
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Israel öffnet einen weiteren Grenzübergang für Transporte von Hilfsgütern, die die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen erreichen sollen. Lastwagen mit Waren für Gaza werden künftig auch den Grenzübergang Kerem Schalom nutzen können, teilten die für Kontakte mit den Palästinensern zuständige israelische Cogat-Behörde und das Militär mit.

Die Lkws werden allerdings, wie schon beim bisher genutzten Übergang Nitzana, nicht direkt in den Gazastreifen fahren. Stattdessen steuern sie über Ägypten den Übergang Rafah an. Israel inspiziert an seinen Grenzübergängen die Lkws, um zu verhindern, dass Waffen geschmuggelt werden. Nach Gaza können Wasser, Lebensmittel, Zelte und Medizinbedarf gebracht werden. 

«Wir möchten betonen, dass keine Lieferungen von Israel in den Gazastreifen gelangen», hieß es in der Mitteilung von Cogat und Armee. «Die humanitäre Hilfe für Gaza wird weiterhin ausschließlich über den Grenzübergang Rafah in Ägypten abgewickelt.»

Hilfsorganisationen sprechen indes von einer «humanitären Katastrophe». Wegen der anhaltenden Kämpfe sei die Auslieferung von Hilfsgütern an die Notleidenden fast nicht möglich, betonen sie. Nach Angaben des Palästinenserhilfswerkes UNRWA sind fast 1,9 Millionen Menschen innerhalb des Gazastreifens auf der Flucht - mehr als 80 Prozent der Bevölkerung.

Sie drängen sich im Süden des Gazastreifens unter unbeschreiblichen Bedingungen und auf engstem Raum zusammen. Vor den Kämpfen zwischen den israelischen Streitkräften und der Hamas sind viele auch dort nicht sicher. Forderungen nach einer humanitären Feuerpause lehnt Israel ab.

Verdrecktes Wasser, kein Essen, kein Strom

Die Kinder, die noch am Leben seien, würden aus Mangel an Trinkwasser verdrecktes Wasser trinken, so Soeripto. Mit Beginn des Winters und starker Regenfälle spülten Abwässer auf die Straßen. «Es gibt kein Essen, keinen Strom, und die meisten Krankenhäuser funktionieren nicht mehr», so Soeripto. «Es ist im Grunde unaussprechlich, was sich vor unseren Augen abspielt».

Laut Vereinten Nationen hungert inzwischen die Hälfte der Bevölkerung im Gazastreifen. Vor Beginn des seit mehr als zwei Monaten dauernden Krieges lebten in dem von Israel abgeriegelten Gebiet, das nur etwas größer als München ist, rund zwei Millionen Menschen. Davon waren rund die Hälfte Kinder und Jugendliche.

Hunderttausende Palästinenser waren nach Anweisungen des israelischen Militärs aus dem umkämpften Norden in den Süden geflohen, wo es nun auch Kämpfe gibt. Nach Angaben des Palästinenserhilfswerkes UNRWA sind fast 1,9 Millionen Menschen auf der Flucht - mehr als 80 Prozent der Bevölkerung.

Auslöser des Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt hatten. Mehr als 1200 Menschen wurden dabei getötet. Zudem wurden 240 Menschen in den Gazastreifen verschleppt, von denen ein Teil während einer vorübergehenden Feuerpause freigekommen ist.

Israel hatte auf den Terrorüberfall mit massiven Luftangriffen und eine Bodenoffensive im Gazastreifen reagiert. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde inzwischen rund 18.000 Menschen getötet und mehr als 49.200 verletzt.

Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben im Gazastreifen im vergangenen Monat über 500 Mitglieder islamistischer Terrororganisationen gefangen genommen. 350 von ihnen gehörten der vor dem Krieg im Gazastreifen herrschenden Hamas an, 120 dem mit der Hamas verbündeten Islamischen Dschihad, teilte die Armeeführung am Montagabend mit. Die Militärabwehr und der Inlandsgeheimdienst Shin Bet würden die Gefangenen weiteren Verhören unterziehen. 

Zahlen zu getöteten israelischen Soldaten

Nach Angaben von israelischer Seite sind mittlerweile 104 Soldaten ums Leben gekommen. Allein bei einem Gefecht in der südlichen Ortschaft Chan Junis starben gestern fünf Militärangehörige, bestätigte die Armee. Sie fielen einer Sprengfalle zum Opfer, als sie gegen eine Terrorzelle der Hamas vorrückten. Die Einheit rief Luftunterstützung zur Hilfe. Die Hamas-Kämpfer konnten in der Folge getötet werden, hieß es in der Mitteilung der Armee.

Insgesamt kamen 432 israelische Soldaten ums Leben. Die Zahl schließt die militärischen Opfer ein, die das Massaker der islamistischen Hamas zu Kriegsbeginn verursacht hatte. Bei dem Terrorüberfall aus dem Gazastreifen heraus auf Wohngebiete im angrenzenden Südisrael wurden insgesamt 1200 Menschen ermordet. Die Opferbilanz der Armee berücksichtigt auch die israelischen Soldaten, die bei Kämpfen mit der Hisbollah-Miliz im Libanon an Israels Nordgrenze gefallen sind  sowie die Opfer von Unfällen im Einsatz. 

Gestern hatte das israelische Militär erstmals die Zahl der im Gaza-Krieg verwundeten Soldaten veröffentlicht. Demnach wurden 1593 Militärangehörige verletzt, unter ihnen 559 seit Beginn der Bodenoffensive. 255 Soldaten erlitten schwere, 446 mittelschwere und 892 leichte Verletzungen. 

Die Tageszeitung «Haaretz» meldete Zweifel an der Genauigkeit der Zahlen an. Sie würden sich nicht mit den Angaben decken, die das Blatt von Krankenhäusern in Erfahrung bringen konnte. So sollen allein im Barsilai-Krankenhaus in der südisraelischen Stadt Aschkelon seit Kriegsbeginn 1949 Soldaten behandelt worden sein. 

Das Massaker am 7. Oktober hatte den Gaza-Krieg ausgelöst. Verübt von Terroristen der Hamas sowie anderer Gruppen, war es der schlimmste Terrorakt, dem Israel in seiner Geschichte ausgesetzt war. Israel begann daraufhin mit massiven Luftangriffen und seit Ende Oktober mit einer Bodenoffensive in dem Gebiet. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde inzwischen rund 18.200 Palästinenser getötet und mehr als 49.600 verletzt.

EU-Chefdiplomat wirft Israel Ignorieren von Aufrufen vor

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell bezeichnete das Veto der USA als bedauerlich. Er warf Israel zudem vor, Aufrufe von Partnern wie der Europäischen Union zu ignorieren. «Wir haben unter anderem bei den G7-Treffen gesagt, dass Israel im Süden von Gaza nicht die gleiche Taktik anwenden sollte, die es im Norden angewendet hat», sagte er am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel. Die Bombardierung gehe aber mit außerordentlicher Intensität weiter.

Klima-Organisationen: Israel will Palästinenser «eliminieren»

Ein Netzwerk von Umweltorganisationen kritisierte bei der UN-Klimakonferenz in Dubai das Vorgehen Israels mit drastischen Worten. «Das Handeln Israels zielt darauf ab, das palästinensische Volk durch den sich entfaltenden Völkermord und ethnische Säuberung zu eliminieren», erklärte das Climate Action Network. Ihm gehören nach eigenen Angaben mehr als 1900 zivilgesellschaftliche Organisationen in mehr als 130 Staaten und auf internationaler Ebene an - darunter Greenpeace, Oxfam und Germanwatch.

Die islamistische Hamas, die den Krieg mit einem Überfall auf Israel am 7. Oktober ausgelöst hatte, wird in der Mitteilung nicht erwähnt.

Israels Armee wirft Ausrüstung für Soldaten über Gaza ab

Israels Armee warf in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben mehrere Tonnen Ausrüstung für Soldaten über dem Gazastreifen ab. Darunter seien etwa sieben Tonnen Wasser für die Einsatzkräfte im südlichen Teil des Küstengebiets gewesen, teilte das Militär mit. Es sei der erste Abwurf aus der Luft seit dem zweiten Libanonkrieg 2006 gewesen.

Generalstreik in Jordanien, Libanon und Westjordanland

Aus Protest gegen den Gaza-Krieg blieben in Jordanien, dem Libanon und im palästinensischen Westjordanland am Montag viele Geschäfte und öffentliche Einrichtungen geschlossen. In Jordaniens Hauptstadt Amman und anderen Städten waren die Straßen laut Berichten menschenleer. Im Libanon blieben Einrichtungen der Regierung und Schulen geschlossen. In Mauretanien in Nordwestafrika wurden alle geplanten Prüfungen und Unterrichtsstunden abgesagt, um Schülern die Teilnahme an «Aktivitäten zur Unterstützung Gazas» zu ermöglichen.

Raketenbeschuss aus Gaza auf Israel - Ein Verletzter

Die islamistische Hamas feuerte erneut Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Ortschaften ab. Im Grenzgebiet sowie dem Großraum Tel Aviv heulten mehrfach die Warnsirenen. In Holon südlich der Küstenstadt wurde Sanitätern zufolge ein 45-Jähriger durch Raketensplitter verletzt. Der bewaffnete Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, bekannte sich zu den Angriffen.

Neuer Beschuss an der Grenze zwischen Libanon und Israel

Auch an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon kam es erneut zu gegenseitigem Beschuss. Nach dem Abschuss mehrerer Raketen auf Israel seien Ziele im Libanon angegriffen worden, teilte die israelische Armee mit. Den Angaben nach fing Israels Raketenabwehrsystem sechs Geschosse aus dem Libanon ab.

© dpa
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