Acht Kandidaten im Rennen um Johnsons Nachfolge

Das offizielle Auswahlverfahren für die Nachfolge Boris Johnsons hat begonnen. Gleich zu Beginn scheiden drei Kandidaten aus. Nun sind es noch acht. Und es zeichnen sich bereits Favoriten ab.
Kater Larry sitzt auf der Straße vor der Tür der Downing Street 10. © Frank Augstein/AP/dpa

Im Rennen um die Nachfolge des scheidenden britischen Premierministers Boris Johnson haben in der Konservativen Partei acht Kandidaten die erste Hürde genommen. Das teilte der Vorsitzende des zuständigen Parteigremiums, Graham Brady, am Dienstagabend im Parlament in London mit. Als Favoriten gelten der ehemalige Finanzminister Rishi Sunak, Außenministerin Liz Truss und Handels-Staatssekretärin Penny Mordaunt. Die Entscheidung soll bis Anfang September fallen. Johnson hatte nach einer Serie von Skandalen vergangene Woche angekündigt, im Herbst seinen Abschied zu nehmen. Der 58-Jährige ist seit drei Jahren im Amt.

Um überhaupt offiziell ins Rennen gehen zu können, war die Unterstützung von mindestens 20 Abgeordneten aus den Reihen der Tory-Fraktion erforderlich. Das eigentliche Auswahlverfahren für den Parteivorsitz und damit auch den Posten des Regierungschefs beginnt nun an diesem Mittwoch. Dabei sind auch die konservative Chef-Justiziarin Suella Braverman, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Tom Tugendhat, Finanzminister Nadhim Zahawi, Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt sowie die Abgeordnete Kemi Badenoch.

Erste Abstimmung am Mittwoch

Noch am Dienstagabend stand Berichten zufolge in der Fraktion eine Vorstellungsrunde auf dem Programm. Am Mittwoch brauchen die Kandidatinnen und Kandidaten dann mindestens 30 Stimmen aus der Fraktion, um eine Runde weiterzukommen. Das Ergebnis dürfte bis zum Nachmittag feststehen. Am Donnerstag soll eine weitere Abstimmung abgehalten werden. Sollten danach mehr als zwei Kandidaten übrig bleiben, sind weitere Runden in der kommenden Woche geplant.

Zwischen den beiden letzten Kandidaten sollen die Parteimitglieder dann in einer Stichwahl entscheiden. Dazu sollen sich die zwei übrig gebliebenen Bewerber in sogenannten «Hustings» im ganzen Land präsentieren. Der Johnson-Nachfolger - oder die Nachfolgerin - soll dann am 5. September gekürt werden.

Der weitere Verlauf des Auswahlverfahrens gilt als schwer berechenbar, weil die Tories auch oft taktisch wählen, um harte Gegner ihres Favoriten auszuschalten. Ex-Finanzminister Sunak gilt vielen bereits als gesetzt für die letzte Runde. Spekuliert wird, dass es daneben ein Duell zwischen Truss und Mordaunt um den zweiten Platz geben wird.

Für die amtierende Außenministerin Truss sprachen sich Kulturministerin Nadine Dorries und Brexit-Staatssekretär Jacob Rees-Mogg aus - zwei Tories, die Johnson besonders loyal waren. Dies gilt als Hinweis, dass auch Johnson seine Außenministerin unterstützt. Mordaunt ist einer Umfrage unter Tory-Mitgliedern zufolge dafür die Favoritin der Parteibasis.

Fokus auf Steuersenkungen

Truss präsentierte sich im «Telegraph» diese Woche als Kandidatin des rechten Flügels mit dem Versprechen, Steuern zu senken. Sie grenzte sich damit zu Sunak ab. Der Ex-Finanzminister will Steuern erst senken, wenn die Wirtschaft wieder angekurbelt ist. Sunak wehrte sich am Dienstag gegen Vorwürfe, er sei Johnson in den Rücken gefallen. Er lobte den scheidenden Premier. «Ich werde mich nicht an der Negativität beteiligen, die Sie in den Medien gesehen und gelesen haben.»

Aus dem Rennen sind bereits Ex-Finanzminister Sajid Javid und der Abgeordnete Rehman Chisti. Innenministerin Priti Patel hatte zuvor überraschend mitgeteilt, dass sie keine Kandidatur einreichen werde. Verkehrsminister Grant Shapps zog seine Bewerbung zurück und stellte sich hinter Sunak.

Um einen rascheren Abschied Johnsons aus dem Regierungssitz in der Downing Street zu erzwingen, wollte die Labour-Opposition am Mittwoch im Parlament über einen Misstrauensantrag abstimmen. Die Regierung blockte das jedoch ab. Es galt ohnehin als unwahrscheinlich, dass der Vorstoß Erfolg gehabt hätte. Trotzdem ist die Ablehnung des Labour-Antrags ein Bruch von Konventionen. Labour warf der Regierung vor, sich vor einer Niederlage zu fürchten.

© dpa
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