Deutschland und Katar vereinbaren Energiepartnerschaft

20.05.2022 Deutschland sucht angesichts des Ukraine-Kriegs neue Energiequellen. Hoffnung ruht auf dem Emirat Katar. Beide Seiten treiben die Zusammenarbeit voran. Konkrete Lieferbeschlüsse gibt es noch nicht.

Im Ringen um mehr Unabhängigkeit von russischem Gas hat die Bundesregierung eine Energiepartnerschaft mit Katar geschlossen. Der Energieminister des Landes, Saad Sherida Al-Kaabi, und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) unterzeichneten am Freitag in Berlin eine Absichtserklärung für eine tiefere Zusammenarbeit.

Deutschland will verflüssigtes Erdgas (LNG) aus Katar beziehen. Auch die Zusammenarbeit bei grünem Wasserstoff, der mit Strom aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird, soll vorangetrieben werden. Deutschland bemüht sich seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verstärkt darum, sich von Energieimporten aus Russland zu lösen.

Nötige Infrastruktur für LNG-Importe schaffen

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte nach einem Treffen mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani, Deutschland werde die für LNG-Importe nötige Infrastruktur schaffen. «Das ist ein großer, großer Fortschritt, und da spielt Katar eine zentrale Rolle in unserer Strategie.» Mehrere LNG-Terminals sind aktuell in Planung. Sie könnten auch helfen, europäische Länder ohne Küstenzugang mit Flüssiggas zu versorgen, betonte Scholz.

Nach Angaben des Kanzlers wollen beide Länder ihre Beziehungen vertiefen. Katar ist laut dem Emir mittlerweile ein wichtiger Investor in Deutschland, das Handelsvolumen sei gestiegen. Nach Engagements bei Volkswagen, der Deutschen Bank, Siemens Energy, Curevac oder Hapag-Lloyd ist Katar der größte Investor aus dem Nahen Osten in der deutschen Wirtschaft. Künftig sollten sich die Außenminister beider Länder zu regelmäßigen Konsultationen treffen, sagte Scholz.

Schon 2024 könnte Katar Deutschland LNG liefern. «Wir wollen unsere US-Flüssiggasanlage Golden Pass in Texas, an dem Qatar Energy 70 Prozent hält, bereits 2024 so weit haben, dass wir nach Deutschland liefern können», sagte der Vizepremier und Außenminister des Golfstaats, Scheich Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, dem «Handelsblatt». Zusätzliche Gasmengen kämen dann etwas später hinzu: «Die Erweiterung der Förderung in unserem Gasfeld North Dome wird 2026 abgeschlossen sein, vielleicht sogar schon 2025.» North Dome ist das weltgrößte Gasfeld, das sich Katar und der Iran teilen. Bis spätestens 2026 soll die katarische Gasförderung daraus von derzeit 77 auf 126 Millionen Tonnen LNG gesteigert werden.

Katars Emir sprach in seiner Pressekonferenz mit Scholz von einer Ausweitung der Gaslieferungen 2026 oder 2027. «Europa ist ein sehr interessanter Markt.»

Neben Energiefragen ging es bei dem Treffen von Scholz und Scheich Tamim nach deren Angaben auch um Afghanistan. Im Umgang mit den militant-islamistischen Taliban spielt Katar eine wichtige Vermittlerrolle, wofür Scholz seinem Gast dankte - ebenso wie für die Unterstützung der katarischen Regierung bei der Evakuierung deutscher Staatsangehöriger sowie von afghanischen und internationalen Partnern aus der afghanischen Hauptstadt Kabul im vergangenen Sommer.

Fußball-WM in Katar: Alle Gäste willkommen

Zur Fußball-Weltmeisterschaft Ende des Jahres will Katar nach den Worten des Emirs alle Gäste willkommen heißen - unabhängig ihrer sexuellen Orientierung. «Wir hindern niemanden daran, nach Doha zu kommen», sagte er auf eine entsprechende Frage. «Aber wir erwarten und wollen, dass die Menschen unsere Kultur respektieren.» In Katar ist Homosexualität gesetzlich verboten und wird mit Gefängnis bestraft.

Die deutsche Mannschaft werde teilnehmen, erklärte Scholz auf die Frage, ob das opportun sei. Auch viele Menschen aus Deutschlands würden nach Katar reisen. «Gleichwohl ist es auch so, dass wir natürlich auch Fragen, die Menschen und Bürgerrechte betreffen, miteinander diskutiert haben und diskutieren.»

Die Menschenrechtslage in Katar steht insbesondere seit der Vergabe der Fußball-WM im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit - das Großereignis findet Ende des Jahres statt.

© dpa

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