Schwere Vorwürfe bei TV-Duell zwischen Lula und Bolsonaro

Im Rennen um das höchste Amt Brasiliens geht es heiß her - kurz vor der Stichwahl wirft Amtsinhaber Bolsonaro dem Ex-Staatschef Lula Korruption vor. Der kontert: Sein Gegner sei «König der Fake News».
Brasiliens Präsidentschaftskandidaten Luiz Inacio Lula da Silva (l) und Jair Bolsonaro stehen sich in einem TV-Duell gegenüber. © Marcelo Chello/AP/dpa

Zwei Wochen vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien haben sich der rechte Amtsinhaber Jair Bolsonaro und der linke Ex-Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva in ihrer ersten direkten Fernsehdebatte gegenseitig schwere Vorwürfe gemacht.

Lula warf Bolsonaro in der Debatte beim brasilianischen Sender TV Bandeirantes schlimme Versäumnisse in der Corona-Pandemie vor. Bolsonaro dagegen griff Lula wegen der Korruption in dessen Amtszeit von Anfang 2003 bis Ende 2010 an. «Deine Vergangenheit ist bedauerlich», sagte er und forderte den 76-Jährigen auf, mit dem Lügen aufzuhören.

In der ersten Wahlrunde am 2. Oktober hatte Bolsonaro besser als in Umfragen prognostiziert abgeschnitten. Vor der Stichwahl gegen Lula am 30. Oktober ist das Rennen nun wieder völlig offen. Beide Kandidaten kämpfen derzeit in einem von Anschuldigungen geprägten Wahlkampf um jede Wählerstimme und versuchen, einzelne soziale, gesellschaftliche und religiöse Gruppen auf ihre Seite zu ziehen.

Lula sagte bei der TV-Debatte Richtung Bolsonaro: «Ihre Nachlässigkeit führte zum Tod von 680.000 Menschen, von denen mehr als die Hälfte hätten gerettet werden können.» Er fügte hinzu: «Keine Regierung auf der Welt hat mit der Pandemie und dem Tod so gespielt wie Sie. Tragen Sie nicht etwas vom Leid der Brasilianer auf den Schultern?» Lula bezeichnete den 67-jährigen Bolsonaro als den «König der Fake News».

Bolsonaro hatte das Coronavirus verharmlost und auch den Nutzen der Impfung in Zweifel gezogen. Ihm wird vorgeworfen, den Erwerb von Corona-Impfstoffen ausgeschlagen und verschleppt zu haben. Zudem ließ Bolsonaro immer wieder Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer vermissen. Die Zustimmung für Bolsonaro sank im Laufe der Pandemie immer weiter.

© dpa
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