Kolesnikowa erhält Esslinger Menschenrechtspreis

13.03.2022 Maria Kolesnikowa ist im Zusammenhang mit den Protesten in Belarus Ende 2020 weltweit bekannt geworden. Bei den Protesten gegen Machthaber Lukaschenko war sie ein Symbol der Freiheit. Nun wird sie für ihr Engagement geehrt.

Maria Kolesnikowa, eine der Oppositionsführerinnen in Belarus erhält den Esslinger Menschenrechtspreis. © Dmitri Lovetsky/AP/dpa

DDie belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa ist für ihr Engagement und ihren politischen Mut außer der Reihe mit dem Theodor-Haecker-Preis der Stadt Esslingen (Baden-Württemberg) ausgezeichnet worden.

Weil die 39-Jährige zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden ist, nahm ihre Schwester, Taziana Chomitsch, die Auszeichnung für sie entgegen. Während Kolesnikowa die Haft absitzt, bemüht sich Chomitsch immer wieder, an die Lage in ihrer Heimat und an die Gefangenen zu erinnern.

Nach ihren Angaben geht es ihrer Schwester den Umständen entsprechend gut. «Sie ist so stark und so zuversichtlich, soweit ich das beurteilen kann», sagte Chomitsch der Deutschen Presse-Agentur in Esslingen. «Und ich bin überzeugt davon, dass sie auch weiterhin voller Hoffnung ist für sich und unser Land.»

Kolesnikowa wurde vom Geheimdienst KGB in Minsk entführt

Bei den Protesten gegen Machthaber Alexander Lukaschenko in Belarus war Maria Kolesnikowa ein Symbol der Freiheit. Sie war im Zuge der Präsidentenwahl im August 2020 zusammen mit der Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo international bekannt geworden. Die beiden anderen Frauen sind im Ausland im Exil. Nach den Fälschungsvorwürfen gegen die Abstimmung hatte sich Kolesnikowa den Massenprotesten gegen den als «letzten Diktator Europas» kritisierten Lukaschenko angeschlossen. Der Machthaber ließ die Demonstrationen mitunter blutig niederschlagen und sagte seinen Gegnern den Kampf an. Auch Kolesnikowa.

Die Aktivistin und Musikerin wurde vom Geheimdienst KGB in Minsk entführt. Als sie in die Ukraine abgeschoben werden sollte, zerriss sie kurz vor dem Grenzübergang ihren Pass und vereitelte so Pläne, sie aus dem Land zu vertreiben. Dafür erhielt sie international Anerkennung. Anfang September vergangenen Jahres war die Künstlerin, die lange Zeit auch in Stuttgart als Kulturmanagerin gearbeitet hat, in einem international kritisierten Prozess zu elf Jahren Straflager verurteilt worden. Der autoritäre belarussische Staatsapparat wirft ihr versuchte Machtergreifung vor.

Der Theodor-Haecker-Preis wird seit 1995 alle zwei Jahre vergeben. Er ist dieses Mal wegen seiner außerordentlichen Vergabe mit 5000 Euro dotiert. Benannt ist er nach dem 1897 geborenen Schriftsteller und Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus. Haecker hatte einen großen Teil seines Lebens in Esslingen verbracht.

© dpa

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