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Bätzing zu Weltsynode: In drängenden Fragen fehlt noch Mut

Fast vier Wochen hat die katholische Weltsynode beraten. Erstmals saßen bei den Bischöfen auch Frauen am Tisch. Zum Schluss gibt es eine gemeinsame Erklärung - allerdings mit mageren Ergebnissen.
Bischof Georg Bätzing
Lobt die Ehrlichkeit der zu Ende gegangenen Weltsynode: Bschof Beorg Bätzing. © Arne Dedert/dpa

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat eine gemischte Bilanz der Weltsynode in Rom gezogen.

Einerseits sei die Synode ehrlich gewesen und habe alle drängenden Fragen angesprochen. «Sie hat die Fragen des Volkes Gottes auf den Tisch gelegt», sagte Bätzing in Rom. Dazu gehörten die Frage von Frauen und ihrer echten Beteiligung in der Kirche, die Frage von geschlechtlicher Identität und Orientierung und die strukturellen Ursachen des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. «Ehrlich war die Synode auch, weil nicht Einigkeit in all diesen Fragen besteht.»

Allerdings fehle es der Synode noch an Mut, sagte Bätzing. Es sei immer wieder Angst vor Veränderungen in der Kirche zu spüren gewesen. Er wünsche sich deshalb für die nächste Synode in einem Jahr auch den «Mut, klare Fragen zu identifizieren und sie einer Klärung zuzuführen, die die Kirche verändert um der Menschen willen».

In strittigen Punkten vage

Die Beratungen der Synode waren am Samstag zu Ende gegangen. Nach fast vier Wochen verabschiedeten die etwa 360 Bischöfe und katholischen Laien - darunter erstmals auch Frauen - am Samstagabend mit Zwei-Drittel-Mehrheit eine gemeinsame Erklärung, die in strittigen Punkten allerdings eher vage blieb.

Der Koordinator des Treffens, Erzbischof Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg, zeigte sich trotzdem zufrieden: «Es lag auf der Hand, dass einige Thesen auf Widerstand stoßen. Der Widerstand ist nicht so groß, wie wir erwartet haben.» Die Weltsynode - eines der großen Reformprojekte von Papst Franziskus - soll im Oktober 2024 zum Abschluss gebracht werden - dann wieder in Rom.

Rolle der Frau in der katholischen Kirche

Eine Frage, die besonders viele Gläubige umtreibt, ist die Rolle der Frau in der katholischen Kirche. Frauen dürfen dort nicht Priester werden. Seit längerem wird diskutiert, ob sie zu einer Vorstufe - dem Diakonat - zugelassen werden. In der Erklärung ist davon die Rede, dass es in dieser Frage «unterschiedliche Positionen» gebe. Die Synode regte an, die theologische Forschung fortzusetzen und «wenn möglich» in einem Jahr Ergebnisse vorzulegen.

Auch die Formulierungen zum Thema Homosexualität blieben unkonkret. Einige Fragen «wie diejenigen im Zusammenhang mit Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung» seien umstritten. Man müsse sich bei der Beschäftigung damit Zeit nehmen, «ohne einfachen Urteilen nachzugeben».

Was die vielen Missbrauchsskandale in der Kirche betrifft, betonte die Synode die Bedeutung von Transparenz und Maßnahmen zum Schutz Minderjähriger und anderer besonders schutzbedürftiger Menschen. Auch eine stärkere Kontrolle der Bischöfe von außen wird in Erwägung gezogen.

Erstmals waren bei einer solchen Synode die Bischöfe nicht mehr unter sich. Weiterhin stellten sie die große Mehrheit, doch durften auch etwa 70 Nichtkleriker dabei sein, unter ihnen 54 Frauen. Dass sie gleichberechtigt mit den Bischöfen an runden Tischen zusammensaßen und genau so viel Redezeit bekamen wie die männlichen Oberhirten, wurde von Beobachtern als eigentliche Fortschritt des Treffens gewertet.

Konservativer Kardinal übt Kritik

Der konservative deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemals Präfekt der obersten Glaubensbehörde, kritisierte: «Im Plenum kamen die Bischöfe viel zu wenig zu Wort. Praktisch war es nur einmal für drei Minuten möglich.» Die Kirche brauche keine Anpassung an den Zeitgeist, sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Umfragen zufolge wünscht sich der Großteil der Gläubigen in Deutschland eine in Fragen der Sexualmoral liberalere Kirche und den Zugang von Frauen zu Weiheämtern. Franziskus hatte jedoch zu Beginn der Beratungen vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Auch Hollerich hatte deutlich gemacht, dass derzeit noch keine konkreten Reformen angestrebt würden. Vielmehr sollten die Katholiken zunächst einmal neue Formen der Kommunikation und des Miteinanders erproben.

Eine Synode hat in der katholischen Kirche prinzipiell nur die Funktion eines Beratungsgremiums für den Papst. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat dann wie ein absoluter Monarch die alleinigen Entscheidungsbefugnis. Das einzige Gremium, das die Kirche in grundlegenden Fragen verändern könnte, wäre ein Konzil, wie es zum letzten Mal in den 60er Jahren einberufen wurde. Einige Teilnehmer bewerteten es als enttäuschend, dass die Synode während der ganzen Zeit keine Erklärung zum Gaza-Krieg veröffentlichte.

© dpa
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