Nach aserbaidschanischen Angriffen: Waffenruhe verkündet

Im Schatten von Russlands Krieg gegen die Ukraine greift Aserbaidschan Moskaus Schützling Armenien an. Nach schweren Kämpfen einigen sich die verfeindeten Staaten auf eine Feuerpause. Doch die Verluste sind hoch.
Nikol Paschinjan (M), Ministerpräsident von Armenien, spricht in einem Dorf nahe der Grenze zu Aserbaidschan mit einem Offizier der armenischen Armee. © Tigran Mehrabyan/PAN Photo/AP/dpa

Nach zwei Tagen schwerer Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien im Südkaukasus ist armenischen Angaben zufolge eine Waffenruhe vereinbart worden. Die Lage sei seitdem verhältnismäßig ruhig, hieß es am Donnerstag aus dem Verteidigungsministerium in der armenischen Hauptstadt Eriwan. Die Feuerpause gilt seit Mittwochabend 20.00 Uhr Ortszeit (18.00 Uhr MESZ), wie der Sekretär des armenischen Sicherheitsrates, Armen Grigorjan, im Fernsehen sagte.

«Die EU begrüßt die Einigung über einen Waffenstillstand», schrieb ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell auf Twitter. Brüssel fordere Baku und Eriwan auf, die Feuerpause einzuhalten.

Die autoritär geführte öl- und gasreiche Republik Aserbaidschan hatte Armenien in der Nacht zum Dienstag angegriffen und das mit einem angeblich vorausgegangenen armenischen Sabotageversuch begründet. Viele internationale Beobachter hingegen gehen davon aus, dass Baku die Situation ausnutzte, dass Armeniens Schutzmacht Russland derzeit mit dem Krieg gegen die Ukraine beschäftigt ist.

Hohe Verluste auf beiden Seiten

Armenien fühlt sich durch den von der Türkei unterstützten Nachbarn Aserbaidschan in seiner Existenz bedroht. Auf armenischer Seite starben offiziellen Angaben zufolge 105 Soldaten, auf aserbaidschanischer 71.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken bekriegen einander seit Jahrzehnten wegen des Gebiets Berg-Karabach. Dieses Mal wurde Angaben aus Eriwan zufolge allerdings nicht die Konfliktregion angegriffen, sondern einmal mehr Regionen im Kernland Armenien. Russland hatte nach einem Krieg im Herbst 2020 vom Kreml so bezeichnete Friedenssoldaten in die Region entsandt. Ihre Zahl von 2000 soll zuletzt wegen des Krieges in der Ukraine reduziert worden sein.

Armenien rief Russland sowie das von Moskau dominierte Militärbündnis Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) um Hilfe an. Das Bündnis, zu dem auch andere ehemals sowjetische Staaten wie Belarus und Kasachstan gehören, lehnte eine Entsendung von Soldaten jedoch zunächst ab. Der Konflikt solle auf diplomatischem Weg gelöst werden, hieß es am Donnerstag.

Russland: Arbeit an Friedensvertrag wird fortgeführt

Die russische Seite tue alles, um die Spannungen zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken abzubauen, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa. Die Arbeit an einem Friedensvertrag zwischen den verfeindeten Staaten werde fortgesetzt.

Für Freitag ist am Rande des Gipfels der Organisation für Zusammenarbeit (SCO) im usbekischen Samarkand ein Treffen von Kremlchef Wladimir Putin mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev geplant. Der mit harter Hand regierende und wegen schwerer Menschenrechtsverstöße kritisierte Aliyev ist wichtiger Gaslieferant Europas.

Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan wiederum war angesichts der angespannten Lage in seinem Land - anders als ursprünglich geplant - nicht zu dem Treffen nach Usbekistan gereist. In Eriwan forderten Tausende bei Protesten Paschinjans Rücktritt.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Nationalmannschaft: WM-Mut durch Wembley-Revanche: Flick verlangt Antworten
Tv & kino
Verstorbene Schauspielerin: Tod von Louise Fletcher: «Eine der absolut Größten»
Internet news & surftipps
Software: SAP und Abu Dhabi wollen stärker zusammenarbeiten
People news
Erich-Kästner-Preis: Teresa Enke für Entstigmatisierung von Depression geehrt
Tv & kino
Herbig-Film über Fall Relotius: Bully: «Ich konnte mir die Flunkerei einfach nicht merken»
Internet news & surftipps
Energie: IT-Systeme des Bundes weiterhin nicht umweltfreundlich
Handy ratgeber & tests
Featured: watchOS 9: Diese Neuerungen bringt das Apple-Watch-Update mit
Mode & beauty
Klare Kante: Mailänder Fashion Week: Etros Neuer überzeugt beim Debüt
Empfehlungen der Redaktion
Ausland
Konflikte : Armenien meldet 135 tote Soldaten
Ausland
Konflikte: Dutzende Tote nach aserbaidschanischen Angriffen in Armenien
Ausland
US-Demokratin: Pelosi verurteilt in Armenien Angriff Aserbaidschans
Ausland
Südkaukasus: Armenien und Aserbaidschan werfen sich neue Angriffe vor
Ausland
Demonstrationen: Proteste gegen Regierungschef - 250 Festnahmen in Armenien
Ausland
Berg-Karabach: Armenien und Aserbaidschan wollen Friedensvertrag aushandeln
Ausland
Konflikte: USA rufen Aserbaidschan und Armenien zur Diplomatie auf
Ausland
Kirgistan und Tadschikistan : Tote bei Kämpfen in Zentralasien: 120.000 Menschen evakuiert