«Töchter» suchen Liebe und Anerkennung

07.10.2021 Roadtrip-Filme gibt es viele. Mit «Töchter» kommt nun eine Reise in den Süden ins Kino, die fehlende Väter in den Fokus nimmt - und Alexandra Maria Lara, Birgit Minichmayr sowie einen Golf.

Martha (Alexandra Maria Lara) fährt mit ihrem Vater (Josef Bierbichler) in den Süden. Mit dabei ist ihre Freundin Betty (Birgit Minichmayr). Foto: Warner Bros/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Väter prägen ihre Kinder auf Lebenszeit. Und Kinder suchen wohl genauso lang die Liebe und Anerkennung ihrer Väter. Das ändert sich auch nicht, wenn sie schon erwachsen sind.

Diese Suche ist das Grundthema des Films «Töchter» von Nana Neul. Im Mittelpunkt der Verfilmung des gleichnamigen Romans der Hamburger Schriftstellerin Lucy Fricke stehen zwei fast 40-jährige Freundinnen, die sich auf eine Reise in die Schweiz begeben müssen. Bettina und Martha sollen nämlich Marthas Vater auf dessen Wunsch dorthin zum Sterben bringen. Nur: Der hat dort gar keinen Termin und will eigentlich seine Jugendliebe besuchen. Der Trip wird zum emotionalen Abenteuer für alle.

Melancholische Grundierung

Die beiden Hauptdarstellerinnen Alexandra Maria Lara und Birgit Minichmayr beeindrucken dabei durch ihr feines Spiel und eine fast schon verzweifelte Traurigkeit. Melancholie ist auch der Grundton des Filmes. Das muss man wollen. Leichtigkeit und Glück zeigen sich im Leben der beiden Frauen nur selten und sind eher flüchtig.

Die eine (Lara) ist ziemlich zugeknöpft und spaßbefreit, ein wenig engstirnig, fast immer angespannt und ihrem Vater (Josef Bierbichler) gegenüber sehr ungeduldig. Entsprechend verständnislos reagiert Martha auf die Bitte ihres Vaters, ihn zum Sterben in die Schweiz zu fahren. «Warum ist er nicht der lausige Vater geblieben. Kurz vorm Sterben noch nett werden, das ist einfach 'ne Gemeinheit», ärgert sie sich dann auch verzweifelt.

Und weil sie wegen eines Unfalls schon sehr lange nicht mehr Auto gefahren ist, muss ihre Freundin Betty (Minichmayr) mit. Die ist das glatte Gegenteil von Martha. Kreativ, locker, lässt sich treiben, lächelnd beobachtend, immer ein wenig auf der Flucht und auf Antidepressiva.

Beide haben viel emotionales Gepäck dabei. Während Martha von der plötzlichen Nähe zu ihrem Vater überfordert ist, sucht Betty nach ihren Wurzeln und nach ihrem angeblich gestorbenen Vater. Dabei lässt die Freundschaft zwischen den beiden Frauen trotz der Verschiedenheit viel Ruhe, Verständnis und Direktheit zu. Es ist eine wunderbar nachvollziehbare Nähe.

Im weinroten alten Golf des Vaters führt das Trio Diskussionen über den Wert von Freunden, Leid, Glück, Alleinleben und das Rauchen. Es wird gestritten, geschimpft, gelacht und geweint.

Suche nach Antworten

«Töchter» ist ein Roadtrip von zwei erwachsenen Frauen in der frühen Mitte ihres Lebens. Die Suche nach Antworten. Das Auffüllen von emotionalen Lücken. Das Leben als Suche nach Anerkennung und Liebe. Und der Weg dahin ist von Traurigkeit, Sehnsucht, Unzufriedenheit, Angst - und hier und da auch von kleinen Glücksmomenten gepflastert.

Verbittert oder ernüchtert sind beide dennoch nicht. «Man hört in einem Alter mit Drogen auf, wenn man sie eigentlich am nötigsten braucht», sagt Martha an einer Stelle. Auch kleine Dialoge wie diese machen den Film trotz seiner durchaus auch vorhandenen Längen sehenswert.

Genauso wie die Filmorte. Die Reise der beiden Frauen führt durch in die Schweiz, durch das sonnige Italien mit seinen wunderbaren Gassen und dem quirligen Leben und nach Griechenland mit seinem blauen Meer und der ruhigen Idylle. Die Aussichten in die Ferne sind wie kleine visuelle Inseln zum Erholen. Wunderbar passend und so emotional wie melodiös ist auch die Musik zur Tragikomödie, die vor allem von der Berliner Sängerin Masha Qrella kommt.

Töchter, Deutschland 2021, 121 Min., FSK ab 12, von Nana Neul, mit Alexandra Maria Lara, Birgit Minichmayr, Josef Bierbichler, Giorgio Colangeli

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