«Unter den Sternen von Paris»: Von Suppenküche bis Parkbank

16.08.2021 Regisseur Claus Drexel widmet den Obdachlosen einen Film. Und arbeitet mit starken Kontrasten. Der Armut stellt er Bilder voller Schönheit der Stadt Paris gegenüber.

Suli (Mahamadou Yaffa) wurde von seiner Mutter getrennt. Foto: Arsenal Film/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Christine lebt seit Jahren auf der Straße. Wie viele der Obdachlosen in Paris versteckt sie sich zum Schlafen in provisorischen Unterkünften und steht Schlange vor Suppenküchen. Eines Tages taucht der achtjährige Suli vor ihrem Unterschlupf auf.

Sie beschließt, ihn zu verjagen. Doch als ihr klar wird, dass der eritreische Junge von seiner Mutter getrennt wurde, nimmt sie sich letztendlich seiner an.

Mit «Unter den Sternen von Paris» widmet der deutsche Regisseur Claus Drexel den Obdachlosen wieder einen Film. Doch diesmal handelt es sich um keinen Dokumentarfilm, sondern um ein realistisches Märchen. Dabei hat der 53-Jährige zwei Themen miteinander verbunden: das der französischen Obdachlosen und das der obdachlosen Migranten.

Als Überbleibsel aus seinem Dokumentarfilm «Au bord du monde» (dt. Am Rand der Welt) aus dem Jahr 2013 hat Drexel die Beschreibung des Alltags der Obdachlosen übernommen, der sich zwischen Suppenküchen, Pariser Parkbänken und ihren notdürftigen Unterschlüpfen abspielt.

Mit starken Kontrasten spielt Drexel aber auch hier: Der Armut, in der diese Menschen leben, stellt er Bilder der Schönheit der Stadt gegenüber: die Seine bei Nacht, der Schnee, der unter dem gelben Licht der Straßenlaternen auf das Kopfsteinpflaster fällt. Die Suche nach der schmerzlich vermissten Mutter führt aber auch zu Orten, an denen in Paris Hunderte Migranten illegal und obdachlos hausen, um auf dem Flughafen Charles de Gaulle zu enden.

«Unter den Sternen von Paris» ist eine Geschichte über Verlust, Verlassenheit und wieder entdeckte Menschlichkeit. Denn auf der Suche nach der vermissten Mutter trifft Christine auf unerwartete Hilfsbereitschaft. Aber auch Erinnerungen an ihr eigenes vergangenes Leben werden wach.

Durch die Erzählform des realistischen Märchens vermeidet Drexel, ins Tragisch-Dramatische zu fallen. Die Geschichte, die hin und wieder Stereotype bedient, kommt ganz leichtfüßig daher, wozu auch die schauspielerische Leistung von Catherine Frot («Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne») beiträgt, die ihre Rolle als Christine mit sensiblem Humor spielt.

Drexel packt mit erstaunlicher Einfachheit schwierige Themen an; seine mit Sorgfalt inszenierte Geschichte macht den Film sensibel, lebendig und vor allem einem breiten Publikum zugänglich.

Unter den Sternen von Paris, Frankreich, 2019, 86 Min., FSK ab 12, von Claus Drexel, mit Catherine Frot, Mahamadou Yaffa, Dominique Frot

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