Angelina Jolie: «Afghanistan ist kein Ausrutscher»

05.09.2021 Die US-Schauspielerin macht sich große Sorgen, besonders um Frauen und Mädchen in Afghanistan.

Jolie ist Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks. Foto: Richard Shotwell/Invision/AP/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hollywood-Star Angelina Jolie, Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks, sieht die Entwicklungen in Afghanistan als Beispiel für systematisches politisches Versagen.

«Afghanistan ist kein Ausrutscher oder Einzelfall, es steht für ein Muster. Es steht für eine jahrzehntelange Vernachlässigung von Menschenrechten», sagte Jolie der «Welt am Sonntag». «In dem Land offenbart sich sowohl der Mangel an durchdachten menschenrechtsbasierten Interventionen wie auch der Zusammenbruch des internationalen Systems.» Die ganze Welt sei heute in einem schlimmeren Zustand als vor 20 Jahren, sagte Jolie: «Wir haben mehr ungelöste Konflikte und Millionen mehr Flüchtlinge.»

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten hatte ein US-geführter Militäreinsatz in Afghanistan das Regime der militant-islamistischen Taliban gestürzt. Parallel zum Abzug der US-Truppen haben die Taliban jüngst wieder die Macht übernommen.

Jolie sagte, sie glaube zwar nicht, dass eine Regierung in Afghanistan «jetzt einfach die Uhr zurückdrehen und sagen kann, dass von nun an alles wieder so sein wird wie vor 20 Jahren». Aber da könne sie sich auch irren. Ihre Sorge sei jedenfalls groß: «Ich denke an all die Frauen und Mädchen, die jetzt nicht wissen, ob sie wieder zur Arbeit oder zur Schule gehen können. Und ich denke an die jungen Afghanen, die sich Sorgen machen, dass sie ihre Freiheiten verlieren werden.»

Kritisch äußerte sich Jolie mit Blick auf die Verhandlungen der USA unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump mit den Taliban in Doha, die im Februar 2020 in einem Abkommen über einen Abzug der internationalen Streitkräfte mündeten. «Amerika hätte sich niemals an Verhandlungen beteiligen dürfen, bei denen die afghanische Zivilgesellschaft und die afghanischen Frauen fast vollständig ausgeschlossen wurden», sagte sie. «Das ist etwas, das wir niemals tun sollten - die Zukunft eines Landes über die Köpfe seiner Bevölkerung hinweg zu diskutieren.»

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Sport news

EM: Corona-Chaos und kein Ende: Weitere Fälle im DHB-Team

Auto news

Verkehrswende: Umfrage: Teures Benzin macht E-Auto interessanter

Job & geld

Flexibel und geduldig: Wie Studierende trotz Corona ins Ausland gehen

Musik news

Interview: Ärzte-Song «Geschwisterliebe» seit 35 Jahren auf Index

People news

Modewelt: Modeschöpfer Thierry Mugler mit 73 Jahren gestorben

Musik news

Rockmusiker: «Herzzerreißend» - Frau und Töchter trauern um Meat Loaf

Internet news & surftipps

Telekommunikation: Verzicht auf Mobilfunk-Auktion? Behörde deutet Änderung an

Das beste netz deutschlands

Open Food Facts: App-Tipp: Barcodescanner für Lebensmittel

Empfehlungen der Redaktion

Ausland

Afghanistan-Konflikt: US-Sonderbeauftragter für Afghanistan tritt zurück

Ausland

Afghanistan: Republikaner greifen Biden für «verpfuschten» Abzug an

Ausland

Afghanistan: Taliban in Kundus bitten Deutschland um Unterstützung

Ausland

Katar: Gespräche zwischen US-Delegation und Taliban in Doha geplant

Ausland

UN-Bericht: Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan nimmt deutlich zu

Ausland

Afghanistan: Taliban verhandeln mit Katar und Türkei über Flughafen

Ausland

Diplomatie: Chinas Außenminister führt Gespräche mit Taliban-Führung

Ausland

Machtvakuum: US-Militär sieht drohenden Bürgerkrieg in Afghanistan