Soul-Stars auf der Yacht: Neue Folge von «Too Slow To Disco»

22.07.2021 Was einst als dekadenter Luxus-Pop galt, hat sich dank der Kompilationsreihe «Too Slow To Disco» zum Kult entwickelt. Nun schießt ihr Macher mit einer «Yacht Soul»-Ausgabe den Vogel ab.

Aretha Franklin hat einen Song von den Doobie Brothers gecovert. Foto: Jeff Kowalsky/epa/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Völlig unerwartet hat sich die Albumreihe «Too Slow To Disco» zu einem Phänomen der Musikindustrie entwickelt.

Cooler, sündhaft teuer produzierter US-Poprock der 70er und 80er Jahre, lange Zeit als oberflächliche Cocktailmusik verschrien, erlangt in den Zusammenstellungen des Berliners Marcus Liesenfeld alias DJ Supermarkt neue Wertschätzung - und ein breites Publikum. Mit seinem neuesten Coup «Too Slow To Disco presents: Yacht Soul - The Cover Versions» legt Liesenfeld nun die perfekte Sommerplatte 2021 vor.

Nach den teilweise berühmten, meist aber vergessenen Künstlern des ironisch benannten «Yacht Rock», die der Trüffelsucher seit 2013 mit seinen Kompilationen vorstellte, geht es nun um schwarze Musik im Westcoast-Pop-Gewand, oder umgekehrt - also «Yacht Soul». Da singen die Pointer Sisters dann «Dirty Work» von der Edelpop-Truppe Steely Dan, oder Aretha Franklin zeigt, was man mit einer Riesenstimme aus «What A Fool Believes» von den Doobie Brothers so machen kann.

Auch Funk- und Jazz-Stars wie Chaka Khan, Dee Dee Bridgewater, Quincy Jones oder Billy Paul (mit einer bewegenden Hommage an Martin Luther King) sind in wunderbaren Coverversionen von ursprünglich «weißen» Popsongs zu hören. Daneben aber auch, wie bei Liesenfeld üblich, einige weitgehend unbekannte, gleichwohl hervorragende Sänger.

«Die Geschichte schwarzer Künstlerinnen und Künstler, die überwiegend Songs weißer Autoren und Performer covern, ist lang und geht zurück bis an den Anfang des 20.Jahrhundert», erklärt der New Yorker Musikexperte Greg Caz in einem Pressetext zu «Yacht Soul». Und fügt hinzu: «Diese Cover entstanden aus vielen musikalischen und kommerziellen Gründen: Vom Verlangen, mehr weiße Hörerinnen und Hörer zu erreichen, bis hin zum simplen Fakt, dass der gecoverte Song gemocht wurde - gepaart mit dem Gefühl, man könne etwas Persönliches und Einzigartiges hinzufügen.»

Mission erfüllt - und das gleich 16-fach, vom Opener «Summer Breeze» (The Main Ingredient) bis zu «This Is It» (Millie Jackson). Einziges Problem: Selbst DJ Supermarkt wird Probleme haben, diese tanzbare, glitzernde Soul-Ausgabe von «Too Slow To Disco» nochmals zu toppen.

© dpa-infocom GmbH

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