Im Paradies

14.06.2019 Natürlich gibt es noch Paradiese. Kleine Inseln der Seligkeit. Nichts als Wonne und Herrlichkeit. Wenn nur nicht die doofen Leute wären.

Foto: Hilke Segbers/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Man sollte reiche Leute keinesfalls beneiden. Sehr reiche Menschen führen keinesfalls ein lustigeres Leben als Sie und ich. Ich weiß das genau, weil ich kürzlich beruflich auf einer exotischen Insel in ein Luxushotel reingeschnuppert habe. An den Pools nippen junge Paare lethargisch an ihren Drinks. Abends im Restaurant blicken sie mit konzentrierter Langweile auf ihre Smartphones und stochern dabei apathisch an Austern und Garnelen herum. Meer, Strand und Sonnenuntergang interessieren sie nicht die Bohne, genauso wenig, wie das hingebungsvolle Personal, das ihnen weiße Stoffservietten auf den Schoß ausbreitet. Da türmen sich Fragen: woher haben diese sehr jungen Menschen ihr sehr vieles Geld? Sind es allesamt erfolgreiche Start Up-Unternehmer, irgendwas mit Internet? Oder doch nur verwahrloste Millionärskinder? Und wieso geben sie ihren Schotter, wenn er sie so anödet, nicht einfach an Menschen weiter, die sich dumm und dämlich über ein paar mehr Piepen in der Tasche freuen würden?

Ich reiste dann weiter, auf eine sehr viel kleinere Insel und lernte, wie es im Paradies wirklich zugeht:  jedermann ist glücklich und dankbar für einfach alles, es gibt keine Straßen und keine Autos. Die einheimischen Muslime singen süße Liebeslieder und haben Schilder aufgestellt, die ans wesentliche erinnern: „Liebt Euch“ und „verteilt Umarmungen und Küsse.“ Man schwingt auf Schaukeln über glasklares Wasser und hat nur selten Handyempfang. Wenn es dunkel wird leuchten freundliche Lampions an den Bäumen und man denkt still schöne Dinge, anders geht es nicht.

Die einzigen, denen das alles völlig wumpe ist, sind die Chinesen. Sie haben als Touristen keinen besonders guten Ruf und wurden deshalb vor einigen Jahren von ihrem Staatschef aufgefordert, sich „zivilisiert zu benehmen, keine Wasserflaschen in die Gegend zu werfen und keine Korallen abzubrechen.“ Die chinesischen Urlauber, die ich beobachten durfte, hatten tatsächlich einen Riesenspaß daran, mal fern der Heimat bei Regelverstoß nicht gleich geköpft zu werden. So viel Herzenslust beim Plastikflaschenwerfen, Korallenabbrechen und lärmendem, ungesittetem Benimm - das ist schon eindrucksvoll.

Natürlich habe ich bei der ganzen Paradies-Geschichte einen außerordentlich miesen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Zwanzig Stunden sonstwohin zu fliegen, ist ja grundsätzlich etwas unanständig. Letztes Jahr war ich mit dem Auto in Dänemark. Dort gibt es seligmachendes Softeis und in den Dünen kann man himmlische Dinge tun. Man kann auch nur eine Sandburg bauen und ein Herz in den Sand malen. Mehr braucht es ja gar nicht, um ein Stündchen glücklich zu sein.  

© Nele Nielsen

Weitere News

Top News

Sport news

Hauptrunde Europameisterschaft: Deutsche Handballer verlieren gegen Spanien: «Lehrstunde»

People news

Rekordflug: In 156 Tagen um die Welt: 19-Jährige zurück in Europa

Auto news

Minimale Mobilität: Fahrzeuge für den Moped-Führerschein

Internet news & surftipps

Internet: EU-Parlament findet Position zu Gesetz für digitale Dienste

Internet news & surftipps

Datenschutz: Polizei nutzt Corona-Kontakterfassungsdaten für Ermittlungen

People news

New York: Cardi B übernimmt Bestattungskosten für Brandopfer

Internet news & surftipps

Kriminalität: Massive Cyberattacke gegen Internationales Rotes Kreuz

Tv & kino

Porträt: Hardy Krüger: Weltstar und Weltenbummler

Empfehlungen der Redaktion

Kolumne

Nele Nielsen: Knüller am Wasser

Kolumne

Nele Nielsen: Diskrete Verwirrung

Familie

Zum Nachmachen: Die Glücksrezepte von Andrea, Helene & Co

Kolumne

Nele Nielsen: Fantastische Erlebnisse

Kolumne

Nele Nielsen: Nackt am Kattegat

Em analyse

Türkei – Italien 0:3: Analyse: EM-Vorrunde 1. Spieltag

Kolumne

Nele Nielsen: Schlimme Freunde

Kolumne

Nele Nielsen: Einiges los