Jetzt mal mit Gefühl!

12.11.2021 Ladies und Gents, tun wir einfach, was jetzt anliegt und arbeiten die Novemberliste ab: Blues schieben, sich alle möglichen Fragen stellen und über den Friedhof huschen.

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Niemand muss sich in diesen Tagen wundern, wenn er den Blues bekommt. Es gehört zum November dazu, trübsinnig an Dingen herumzunagen, die allesamt nicht zu klären sind. Immer gerne genommen: Was ist los mit meinem Leben? Was ist los mit den Leuten da draußen? Wieso dreht die ganze Welt insgesamt gerade durch? Ist das nur wegen Corona und wann geht das wieder weg?

Auch das Liebe suchen und finden wird im November nicht leichter. Es scheint mir aktuell zwar reichlich bedürftige Kerle zu geben, aber etliche Herren haben weiterhin nur wenig Neues zu bieten: gebundene 50-70jährige Dudes suchen jüngere Frauen, um hin und wieder unverbindlichen, heißen Sex zu haben. Ich verurteile dieses Ansinnen keinesfalls – ich lege manchem Herrn lediglich einen kleinen Realitätscheck und vielleicht mal einen Blick in den Spiegel ans Herz, bevor er seine Ansprüche in die Gegend tutet.

Natürlich gibt es auch jede Menge Suchende, die bereit wären, sich auf jemanden Gleichaltrigen mit ein paar Speckröllchen einzulassen. Sie alle könnten auf Speed Dates in nebligen Parkanlagen zusammenfinden. Wäre ich nicht so träge, würde ich das organisieren und auch ein paar Laternchen aufstellen. Könnte man unbeschwert reisen, würde ich selber in den kommenden Monaten natürlich nach Finnland fahren. Dort ist es zwar noch dunkler als hier, aber es liegt zuverlässig Schnee und man kann sich die Zeit mit Langlauf, Motorschlittenfahren, Schlittschuhlaufen, Saunieren und Eisangeln oder-baden vertreiben. Ich ließe mich irgendwo in den Schnee plumpsen und würde dem nächsten vorbeikommenden Hundeschlittenfahrer „Hyvää päivää, voisitteko auttaa minua?!“ zurufen. Das heißt „guten Tag, können Sie mir helfen?!“ und damit hat schon so manche hübsche Bettgeschichte begonnen.

Was bleibt letztendlich wirklich zu tun? Vielleicht einfach das, was im November eben so anliegt: mal wieder auf den Friedhof huschen. Beim Grabbesuch kann man sich anständig in Melancholie und Wehmut reinschaffen - immer aus jeder Stimmung das Beste rausholen, liebe Gemeinde, denn halbherzige Grooves bringen niemandem was, schon gar nicht in dunklen Zeiten.

© Nele Nielsen

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