Schlafen & Daten

02.07.2021 Jetzt bitte die Arme weit ausbreiten, Herrschaften, denn zwei tolle Sachen liegen in der Sommerluft und wollen aufgefangen werden: Regen und Liebe.

Pluvophil ist ein Mensch, der Genuss und Frieden an Regentagen findet © ingimage.com

Herrjeh, Damen und Herren, der ganze Sommerregen, da hätte ich gerne vieles getan, was man bei gutem Wetter liegen lässt: Papiere sortieren, Briefe beantworten, aufräumen – aber es geht leider nicht, denn ich bin eine Pluvophile. Pluvophil ist ein Mensch, der Genuss und Frieden an Regentagen findet, ich reagiere zudem mit sofortiger Schläfrigkeit. Darauf habe ich mich selber konditioniert, seit Jahren schlafe ich mit YouTube-Regen im Ohr ein und sobald ich nun auch nur leise Nieselgeräusche höre, muss ich ein Nickerchen machen. Nickerchen sind gut, um inneren Ausgleich zu finden und sich für die nächste Liebe locker zu machen.

Hilfreich auch: das viele Seriengucken in den vergangenen Corona-Monaten. Jetzt, wo es wieder losgeht mit dem Charmieren draußen, weiß ich, worum es beim Daten geht. In der Netflix-Doku-Soap „Liebe im Spektrum“ suchen junge autistische* Menschen nach einer Liebesbeziehung und lehren das Wesentliche, das man übers flirtige Kennenlernen wissen muss: keine unnötige Hektik und auf gemeinsame Interessen achten. Zwei Personen, zum Beispiel, die gerne am Strand Sonnenuntergänge sammeln, haben schon mal eine gute Basis. Außerdem darf man sich immer wieder mal ins Gedächtnis rufen, dass nichts und niemand perfekt ist, erstaunlicherweise vergisst man das ja gelegentlich. Michael, einer der ProtagonistInnen der Serie, steht gerade vor dem ersten Date seines Lebens und bringt die ganze Liebessache perfekt auf den Punkt: „Keine Beziehung ist perfekt. Aber man kann eine Beziehung zu einer sehr gesunden, unterstützenden und liebevollen Geschichte machen. Und wenn sich Jemand in einer Beziehung langweilt oder unglücklich ist, muss er nur eine einzige Sache tun: an Blumen reichen. Sie blühen nicht jeden Tag.“

Für das nächste Date fix noch ein paar Stylingfragen für die Ladies geklärt. Die Antworten werden im Internet auf dubiosen Trend-Seiten augenscheinlich gewürfelt. Hier aktuelle Ratschläge zum Thema „was sollte man vermeiden, um nicht älter auszusehen, als man tatsächlich ist?“: Broschen, Lippenstift farblich perfekt zu Farbe des Outfits, Blumenmuster, um die Hüfte gebundene Jacken, Jersey-Kleider, Strickjacken, Miniröcke und zu viel Volumen im Haar. Aha, so-so, da darf ich als Expertin gleich mal ähnlich sinnvoll weitermachen: Was sollte man tun, um jünger zu wirken? Ich rate zu sonderbaren Hüten, Plüschdinos auf der Schulter und Fischbrötchen in der Hand. So hat es jedenfalls bei mir gut funktioniert.

( *Wissen macht Spaß: präzise heißt es „Autismus-Spektrum-Störungen)

© Nele Nielsen

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