Nachher bitte Pralinchen

07.05.2021 TRIGGERWARNUNG: der folgende Text enthält Sequenzen, die Personen mit Muttertags-Problemen verstören könnten.

Pralinen zum Muttertag? Ja, bitte! © ingimage.com

Ich habe in letzter Zeit in den sozialen Medien wieder mal was gelernt: Es ist wichtig, bei problematischen Themen vorweg Bescheid zu geben, um angeschlagene Personen vor unangenehmen Erinnerungen und Gefühlen zu schützen. Frage nur: gehört der Muttertag dazu? Naja, ich habe jedenfalls gewarnt, jetzt kann es also losgehen:

Kein Mensch hat etwas dagegen, hin und wieder verwöhnt zu werden. Auch ich nicht, wem auch immer es beliebt, darf mir Frühstück ans Bett bringen, Blumen übergeben, Geschenke machen, Unkraut zupfen, Drinks und Nüsschen servieren oder mich bekochen. Gerne auch alles gleich hintereinander weg am Stück. Ich bin jedenfalls nicht pingelig und nehme dankbar alles, was ich kriegen kann. Das letzte Mal, das mich jemand bekocht hat, war kurz vor Corona – mittlerweile bin ich ziemlich bedürftig geworden. Kocht mir irgendwas, es ist mir völlig egal, es kann auch sehr mittelmäßig schmecken, nur: serviert es mir, ohne dass ich einen Handschlag tun muss. Nachher gerne Pralinchen, dankeschön.

Ich spreche jetzt einfach mal für alle Mütter, wenn ich sage: Kinderchen, hört mir auf mit dem „Muttertag interessiert mich nicht, ist doch alles nur Geschäftemacherei“-Gerede. Lasst die Leute ihre friedlichen Geschäfte mit Blumen, Schokolade oder Parfum machen, kauft das einfach alles ohne Bedenken und bringt es eurer eigenen oder irgendeiner anderen Mutter. Und wer jetzt eigensinnig ruft: „Aber ich möchte mich nicht zwingen lassen! Ich brauche meine Freiheit! Ich schenke lieber übers Jahr als an einem bestimmten Tag!“, dem sage ich: „Seid nicht trotzig, kleine Schlingel. Schenkt immerzu UND an bestimmten Tagen.“

Noch eine kleine Hilfestellung: neulich fiel mir ein altes Pixi-Buch in die Hände, „Teddy und die Anderen“. Es ist von 1981, die x-te Auflage, es war ein sehr erfolgreiches Heftchen mit gleich drei Geschichten. Die beste und seltsamste möchte ich ungekürzt zum Vortrage bringen:

Die Hühnermutter hat 10 Küken

Arme Hühnermama! Sie hat viele Sorgen mit ihren 10 Kükenkindern. Sie konnte sie nämlich nicht voneinander unterscheiden. So sehr ähnelten sie sich. War eines weggelaufen, wusste sie nicht, wer es war. Da musste sie alle 10 auf einmal rufen. Das macht mich ganz hühnerwild!, sagte sie. Aber sie hatte sie trotzdem alle lieb. Eines schönen Tages waren die 10 Küken groß genug, um auf sich selbst aufzupassen. Aber sie besuchten ihre Mutter jeden Tag.

So etwas las man also vor 40 Jahren dem Nachwuchs vor, zu Recht, denn es geht um etwas Schönes, das heute in Vergessenheit zu geraten droht: vergiss Dein Mütterlein nicht, wenn Du nicht mehr zuhause wohnst. Besuche es regelmäßig und bringe ihr ein Fläschchen 4711 oder ein staubiges Blümlein vom Straßenrand mit. Vorm Muttertag können wir ein beliebig altes Kind unserer Wahl anrufen und ihm die Geschichte am Telefon vorlesen.

© Nele Nielsen

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