Männer im Frühling

09.04.2021 Man möchte meinen, in einem Corona-Frühjahr geht für Singles nur wenig – aber das ist ein Irrtum! Die Damen, aufgepasst, tatsächlich lauern die Herren überall.

Nele Nielsen: Männer im Frühling © ingimage.com

Ich hab’s weiter nett mit mir. Wenn ich nach dem Einkaufen ins Haus komme, rufe ich mir zu: „Okay! Ich zeig‘ mal, was ich mitgebracht habe!“ Dann packe ich Nüsschen und Chips und Schokolade und Eiscreme aus. Es gibt Menschen, die Knabberzeug in kleine Schälchen füllen und nett auf dem Couchtisch anrichten. Ich stecke mittlerweile einfach den Kopf in die Tüte. Schälchen sind für irgendwann später, wenn wieder Besuch in Haus kommen darf. Falls wir Alle bis dahin nicht komplett verwildert sind.

Überraschungsbesuch gibt es vorläufig nur im Internet. Neulich ploppte irgendwo ein Chat-Fensterchen auf und ein Fremder meldete sich bei mir, es war der ‘Visionäre Goldene Bulle‘. „Hallo!“, schrieb er, „ein Blitz ist mir erschienen.“ Oha, dachte ich, Donnerwetter! Bevor ich nachfragen konnte, kam schon die nächste Nachricht: „Es war in Hamburg.“ Der Bulle wusste also Bescheid, er hatte bereits eine geistige Connection zu mir geknüpft. Es störte ihn auch nicht, dass ich schwieg, er machte nur ein paar Sekunden Pause, dann wurde es aufregend. „Etwas ist los,“ las ich und nach einer spannenden Pause: „Es betrifft Dich.“ Wer weiß, was für eine Wendung der Goldene meinem Leben gegeben hätte, wenn es nicht in genau diesem Moment an der Haustür geklingelt hätte.

Es war Frederik, mein Postbote, der einzige Mann, der zurzeit noch vor meiner Haustür steht. Er übergibt mir meine Post persönlich und wenn ich ihm am frühen Nachmittag im Nachthemd die Tür öffne, ruft er „also, also! Auf-auf und hinaus an die frische Luft!“ Ich bin Frederiks Lieblingskundin. Es ist schön, der Liebling von Jemanden zu sein, und wenn es nur der Postbote ist. Jedenfalls war der Visionäre Goldene Bulle nicht mehr da, als ich an den Computer zurückkehrte – sicher war er schon mit der nächsten bedürftigen Frau zugange. 

Immerhin habe ich demnächst ein Date mit einem Unbekannten. Es wird ein Speed-Picknick im Freien. Wir werden auf einer großen Picknickdecke sitzen, ausreichend weit voneinander entfernt und sehr schnell Frikadellchen, Kartoffelsalat und hartgekochte Eier essen. Wir haben uns auf eine Dreiviertelstunde geeinigt, das sollte reichen, um zu wissen, ob man irgendwann mal miteinander knutschen möchte. Menschen beim Essen zuzusehen – da erledigt sich ja so manches sehr schnell.

Nele Nielsen

Weitere News

Empfehlungen der Redaktion

Kolumne

Nele Nielsen: Langweiling, really extrem

Kolumne

Nele Nielsen: Den Tag ausquetschen

Kolumne

Nele Nielsen: Männer – eine tolle Sache

Kolumne

Nele Nielsen: Sexuelle Revolution

Kolumne

Nele Nielsen: Fantastische Erlebnisse

Kolumne

Nele Nielsen: Mindestens drei gute Gründe!

Kolumne

Nele Nielsen: 20 Minuten lang high

Kolumne

Nele Nielsen: Die Schweiz, eine interessante Sache