Let’s go wild!

19.02.2021 Ganz wildes Zeug: Feiern, Rachepläne schmieden, Partnersuche – geht alles prima auch zuhause.

Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kommen wir zu Feierlichkeiten – man freut sich ja über jeden Anlass, zu dem man alleine zuhause vor dem Spiegel anstoßen kann: Vor 50 Jahren wurde das „Fräulein“ offiziell abgeschafft. Man hätte alternativ auch das „Herrlein“ für unverheiratete Männer einführen können, ich hätte das ganz hübsch gefunden. In jedem Fall erinnere ich, wie mein alter Nachbar vor Jahrzehnten stets seinen Hut zog, wenn er mir begegnete und „guten Tag, Fräulein Nele“ grüßte. Ich fühlte mich jedes Mal wie eine Königin, soviel zum Thema Genderdebatte. Singles dürfen übrigens gleich weiterfeiern (Tusch! Feuerwerk! Champagner!): Tag 100 ohne lustvollen Körperkontakt.

Bei meiner Online-Recherche zum Thema „wird Corona auch übertragen, wenn man Fremde nicht erst knutscht, sondern sich gleich auszieht und im Bett dann Maske trägt und die Luft anhält?“ ploppte bei Surfen die Überschrift „fünf Einhörner stammen aus der Schweiz“ auf. Einhörner finde ich gut, genauso wie Elfen und Meerjungfrauen. Ich habe fix geklickt und erfuhr Ernüchterndes: Einhörner nennt man Startups ab einem Milliarden-Dollar-Wert. Ich selber habe auch jede Menge sehr guter Ideen für ein fettes Startup. Ich schlafe allerdings auch sehr gerne oder hänge einfach so herum, das widerspricht einem Milliarden-Einkommen, schade. Ich dachte dann daran, kleiner zu starten, mit einem Rache-Institut. Schließlich sehnt sich Jede*r irgendwann einmal im Leben nach Vergeltung, möchte aber nicht erwischt werden. Ich übernehme also die Racheaktionen und ruckel so das psychische Gleichgewicht meiner Auftraggeber*innen wieder zurecht. Genau wie neulich beim Eisbaden wurde meine crazy Idee natürlich schon längst von Anderen umgesetzt. Vertrauenerweckender Satz von der Seite eines Profis: „Unsere Agentur verfügt über sehr, sehr weitreichende Kontakte.“ Der Kollege arbeitet seriös, im Rahmen bestehender Gesetze, alles, was er in die Wege leitet, ist legal. Ich selber hatte mir eher vorgestellt, mit freundlichen Kleinkriminellen zusammenarbeiten - aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Zurück zur Natur: die Meisenknödel in meinem Garten schwingen verlassen im Wind, kein Vogel weit und breit. Großes Artensterben, oder was ist los? Als ich über den Zaun zum Nachbarn linse, treten sich da Amseln und Meisen gegenseitig auf die Füßchen. „Jau“, sagt der Nachbar, „Du musst die schon mit etwas Gefühl füttern, von nix kommt nix.“ Vogelfüttern ist das neue Tindern, das hatte ich noch nicht mitbekommen. Bequeme Landeplätze, trockene Futterstationen und handgezwirbelte Knödel aus hochwertigen Fetten mit knusprigen Insekten – anders zieht man heute niemanden mehr an Land. Alles, wie bei der Partnersuche, herrjeh.

© Nele Nielsen

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