Ready für die nächste Runde, Babes?

18.12.2020 Wie sagte der Ansager vom Rummel so schön? „Hallöchen Mäuschen, komm steig ein und fahr mit mir! Ab geht’s!“

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Spannung aufbauen, habe ich während meiner Ausbildung gelernt, ist wichtig. „Freunde,“, sagte mein Chefredakteur immer, „Freunde, dit is‘ hier och nüscht anderes als beim Zirkus.“ Den Rest ließ er offen. Also dann, halten Sie sich fest, es geht los, Menschen, Tiere, Sensationen, natürlich passieren in meinem Leben auch im Lockdown weiterhin täglich die dollsten Dinge: Meinen Fünf Uhr-Tee nahm ich gestern erst um sechs. Heute habe ich festgestellt, dass ich meinen Fuß nicht mehr bis an die Nasenspitze bringe. Tragödie. Am Nachmittag ein Buch im geschlossenen Laden bestellt und beim Abholen in meiner ersten Corona-Draußen-Ansteh-Schlange gestanden. Es fühlte sich absolut richtig an, wie auf dem Wochenmarkt beim Kartoffelmann eben. Mich bei einem Online-Fitnessstudio angemeldet und beglückt zwischen allen Spargeln eine Trainerin mit supersüßen Rundungen entdeckt. Highlight der Woche: Weihnachtsfeier mit Kolleginnen via Zoom. Man muss sich mental schon etwas mühen, aber nach zwei bis drei Drinks kann es auch alleine zuhause auf dem Sofa ganz gesellig werden. Natürlich hatte die ganze Veranstaltung einen unterschwelligen Touch von „die Erdoberfläche ist unbewohnbar geworden, jetzt sitzen wir also alle in unseren vernagelten Häusern, nichts funktioniert mehr, aber solange jemand mit einer Gitarre dabei ist und singen kann, sind wir noch nicht am Ende.“

Das ist jetzt also die Devise: trotzdem munter sein. Und bei der weltweiten, herzerweichenden Challenge „Jerusalema“ mitmachen. Üben kann man vor dem Bildschirm. Den Song vom südafrikanischen DJ Master KG darf man auf die Zeile „schütze mich, begleite mich“ zusammenschrumpfen. Jedenfalls ist Weihnachten in Corona Zeiten der perfekte Zeitpunkt, um eine gute Botschaft in die Welt hinauszuposaunen.

Also dann, liebe Gemeinde! Feiern wir dieses Fest einfach mal wie damals, als Alle noch vorm Ofen saßen, mit Kieselsteinen spielten, Bratäpfel schmausten und adrett gekleidet um den Tannenbaum tanzten: wohlgestimmt, dankbar, zuversichtlich. Kleiner Befehl am Rande: keiner von uns ärgert sich über nicht rechtzeitig gelieferte Geschenke, solange an allen Straßenecken kollabierte Paketboten herumliegen.

Frohe! Weihnachten!

 

© Nele Nielsen

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