«Null Olympia-Spirit»: Geher Linke enttäuscht von Sapporo

04.08.2021 Der WM-Fünfte Christopher Linke ist enttäuscht von der Atmosphäre und den Bedingungen in der Olympia-Außenstelle Sapporo.

Geher Christopher Linke beklagt die Bedingungen in Sapporo. Foto: Michael Kappeler/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Ich empfinde hier null Olympia-Spirit», sagte der 32 Jahre alte Potsdamer, einen Tag vor seinem Start über 20 Kilometer Gehen, der Deutschen Presse-Agentur. Er habe bisher weder eine olympische Fahne oder Ringe gesehen. «Man hat gehofft, zu Olympia zu fahren und nicht zum Geher-Weltcup. Schade!» Wenn er Bilder vom olympischen Dorf in Tokio sehe, «bin ich neidisch».

Auch die Verlegung der Geher- und Marathon-Medaillenkämpfe aus klimatischen Gründen nach Sapporo, wo es normalerweise weniger Luftfeuchtigkeit gibt und es fünf bis sechs Grad Celsius kühler als in Japans Hauptstadt ist, scheint sich aktuell ins Gegenteil zu verkehren. «Die Einheimischen sagen, dass auf Hokkaido der wärmste Sommer seit 30 Jahren ist», berichtete der Olympia-Fünfte von 2016.

Top Acht als Ziel

Trotz der miesen Wettervorhersage im Winterspieleort von 1972 für seinen Medaillenkampf mit Regen und hoher Luftfeuchtigkeit hofft er, vorne im Feld mitgehen zu können. «Da ist nicht mehr viel Luft», sagte Linke angesichts seiner Topplätze bei großen Titelkämpfen. «Ich will nicht rumspinnen und sagen, ein Top-20-Platz wäre mein Ziel.» Minimum ist für ihn das Erreichen von einem der ersten acht Ränge: «Jede Platzierung weiter vorne wäre gut.»

Weniger gut findet Linke die Streichung des 50 Kilometer Gehens aus dem olympischen Programm und dem der Weltmeisterschaften. «Erst 2017 wurden die 50 Kilometer für Frauen bei der WM eingeführt. Warum es insgesamt nicht weiter dazu gehören soll, verstehe ich nicht», kritisierte er. «Das macht keinen Sinn, ebenso die mögliche diskutierte Verkürzung der Strecke auf 35 Kilometer.»

Bisher ist noch nicht entschieden, ob bei den Sommerspielen 2024 in Paris die verkürzte Version oder ein Team-Mixed-Wettbewerb mit je zwei Frauen und Männer für die 50 Kilometer aufgenommen werden. «50 Kilometer ist die Traditionsstrecke im Gehen. 35 Kilometer ist für mich eine nichtssagende Strecke», sagte Linke. Das sei weniger als ein Marathon und ein bisschen mehr als die 20: «Wie man auf die 35 Kilometer kommt, ist mir ein Rätsel.»

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