Notizen von der Fußball-Europameisterschaft

15.06.2021 Notizen von der Fußball-Europameisterschaft - gesammelt von der Deutschen Presse-Agentur.

Im Zentrum von Kopenhagen: Genesungswünsche für den dänischen Fußball-Star Christian Eriksen bemalt. Foto: Martin Meissner/AP/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

GRAFFITI: Im Zentrum von Kopenhagen haben hunderte Menschen in den vergangenen Tagen eine weiße Wand mit Graffiti und Genesungswünschen für den dänischen Fußball-Star Christian Eriksen bemalt. Über mehrere Meter ist die Wand mit Grußbotschaften übersät. Sie wurde am Ofelia-Platz in der Nähe des berühmten Hafens Nyhavn in der dänischen Hauptstadt errichtet, wo sie eine der Fanzonen dieses EM-Spielorts begrenzt. Am Mittwoch wandte sich Eriksen zum ersten Mal seitdem via Instagram an die Öffentlichkeit und schrieb unter anderem: «Großer Dank für eure lieben und großartigen Grüße und Nachrichten aus der ganzen Welt. Das bedeutet mir und meiner Familie viel.»

FRISUREN-VERWIRRUNG:Die plötzlich blonden Haare von Granit Xhaka und Manuel Akanji vor dem zweiten EM-Spiel gegen Italien sorgten für reichlich Aufregung im Schweizer Lager. «Das ist eine persönliche Sache, die auch persönlich bleiben sollte», sagte Coach Vladimir Petkovic, der vor der Partie keine weiteren Fragen dazu beantworten wollte, dann mit Blick auf seine grauen Haare aber doch noch scherzte: «Eigentlich wolte ich euch heute Abend überraschen und meine Haare schwarz färben, aber das war dann doch schwierig.» Dass das Blond-Fieber auch auf andere Spieler im Team übergreifen könnte, befürchtet Mittelfeldspieler Xherdan Shaqiri unterdessen nicht: «Ich habe meine Haare immer noch normal und das wird auch so bleiben.»

FARBENLEHRE: Grün oder blau? Celtic oder Rangers? Die Frage, welchem Verein man in Glasgow die Daumen drückt, geht über den Fußball hinaus. Die Rivalität zwischen beiden Clubs ist legendär. Die Stadt teilt sich in Anhänger des katholischen Celtic Football Club und des protestantischen Rangers Football Club. Doch der Hass früherer Zeiten soll abgekühlt sein, lässt sich die Konkurrenz wirklich noch im Alltag feststellen? Auf das vorgetragene Ziel «Hampden Park», singt Taxifahrer James dem Fahrgast im feinsten «Glaswegian» ohne weitere Umschweife den Beginn eines Fan-Lieds entgegen: «Oh, Hampden in the sun - Celtic seven, Rangers one.»

ROYALER BESUCH: Nach dem Zusammenbruch von Spielmacher Christian Eriksen im EM-Spiel gegen Finnland hat Dänemarks Thronfolger Frederik (53) dem dänischen Nationalteam einen Besuch abgestattet. Der sportaffine Kronprinz schaute am Dienstagvormittag beim Training der Dänen in Helsingör nördlich von Kopenhagen vorbei, um der Mannschaft um die Bundesliga-Profis Thomas Delaney und Yussuf Poulsen bei der Vorbereitung auf das Gruppenspiel gegen Belgien (Donnerstag/18.00 Uhr) die Unterstützung des Königshauses zu zeigen. Dabei wechselte er auch ein paar Worte mit Nationaltrainer Kasper Hjulmand.

STERNEKOCH: Team-Koch Anton Schmaus würde die deutschen Fußball-Nationalspieler im Falle eines EM-Titelgewinns mit einem speziellen Gericht belohnen. Dabei orientiert sich der 39 Jahre alte Sternekoch aus Regensburg am Schauplatz der letzten Turnierspiele. «London ist nicht nur der Spielort der beiden Halbfinals, sondern auch des Endspiels. Wenn wir das erreichen, dürfte es zur Feier des Tages dann sicher ausnahmsweise auch mal Fish and Chips geben, was ansonsten kein typisches Sportlergericht ist», sagte Schmaus der «Mittelbayerischen Zeitung» vor dem EM-Auftakt der DFB-Auswahl am Dienstagabend in München gegen Weltmeister Frankreich.

DER KÖRPER, EIN TEMPEL: Cristiano Ronaldo pflegt seinen Body. Der fünfmalige Weltfußballer achtet sehr auf seine Ernährung und Fitness. Fast Food? Soft Drinks? Im Grunde unvorstellbar beim Stürmerstar von Juventus Turin. Auf der Pressekonferenz vor dem ersten Gruppenspiel seiner Portugiesen gegen Ungarn räumte Cristiano Ronaldo vom Tisch erstmal zwei Coca-Cola-Flaschen des Turniersponsors weg und stellte sie ins Abseits. Stattdessen griff er zu einer Wasserflasche, hielt sie kurz in die Höhe und verkündete: «Wasser».

GRATULATION ZUM FEIERTAG: Mit einem bei Twitter veröffentlichten pathetischen Video hat die türkische Nationalmannschaft vor ihrem ersten EM-Spiel in Baku an diesem Mittwoch gegen Wales den Gastgebern zum Tag der nationalen Rettung gratuliert, der am 15. Juni gefeiert wird. Auf dem Video sind unter anderem im Wind flatternde türkische und aserbaidschanische Fahnen und die «Flame Towers» (Flammentürme) zu sehen, die in den aserbaidschanischen Farben leuchten. Die Türkei ist Schutzmacht Aserbaidschans. Die Nachbarländer bezeichnen sich als «Bruderstaaten». Der 15. Juni gilt als Stichtag für die Beendigung einer ernsten innenpolitischen Krise 1993 in der Südkaukasusrepublik.

DAUERREGEN: Die klimatischen Bedingungen in Bukarest sind derzeit herausfordernd für alle Teams. Schon die Österreicher stöhnten am Wochenende, als sie aus ihrem heimischen Teamquartier nach Rumänien kamen und von der schwülen Wärme Bukarests überrascht wurden. Ein Wolkenbruch mit heftigen Regen- und Hagelschauern zwang die Österreicher und Normazedonier dazu, ihr Abschlusstraining zu verschieben. Ihr dauerhaftes EM-Quartier in Bukarest haben auch die Ukrainer. Nach ihrer Rückkehr aus Amsterdam vom 2:3 gegen die Niederlande gab es auch für sie eine böse Überraschung. Auf ihrem gewohnten Trainingsgelände konnten nach dem zwischenzeitlichen Dauerregen vorübergehend keine Einheiten stattfinden. Trainiert wurde dann in einem moderneren neuem Stadion mit Entwässerungssystem.

REISESTRESS: Schwedens Fußballer sammeln bei dieser EM in der ersten Woche reichlich Flugkilometer. Am Dienstag sollte der Tross von Sevilla aus nach Göteborg abheben - rund 2600 Kilometer Luftlinie. In Andalusien hatten die Schweden am Montagabend Spanien ein 0:0 abgerungen. In Göteborg, wo sie ihr EM-Quartier haben, wird die Mannschaft mit den drei Bundesligaprofis Emil Forsberg (RB Leipzig), Ludwig Augustinsson (Werder Bremen) und Robin Quaison (FSV Mainz 05) aber auch nicht lange bleiben. Schon am Donnerstag geht's knapp 1100 Kilometer weiter nach St. Petersburg, wo Schweden am Freitag gegen die Slowakei spielt.

ERINNERUNGEN AN DAMALS: Den Finaleinzug Portugals bei der EM 2004 gegen den späteren Sieger Griechenland hat Diogo Jota noch immer vor Augen. Für den heute 24-Jährigen sind das die ersten Erinnerungen an den ganz großen Fußball. Nun nimmt der Offensivspieler von Jürgen Klopps FC Liverpool selbst an der Endrunde teil - an der Seite einer Legende. «Cristiano (Ronaldo) war mein Idol, ich habe ihn bei Manchester United auf höchstem Niveau spielen sehen», erzählte Diogo Jota dem Portal «FourFourTwo». Er habe «zu ihm immer als Vorbild» aufgesehen. Nun spielen sie Seite an Seite.

RASENPFLEGE: Sie schoben die Mäher von links nach rechts und rechts nach links. Über die gesamte Länge des Spielfelds. Gewöhnliche Mäher, mit Auffangsäcken fürs Gras. Mit denen sollen spanischen Medienberichten zufolge die zuständigen Mitarbeiter des Estadio La Cartuja bis in die Morgenstunden unterwegs gewesen sein. Weitere Pflege des nicht überall wirklich grünen Rasens ist aber noch angesagt: Spaniens Nationalspielern und Trainer Luis Enrique gefiel der Zustand des Platzes nicht wirklich. Am Samstag steht das nächste Spiel an in Sevilla. Gegner der Torlos-Starter aus Spanien beim 0:0 gegen Schweden ist dann Polen um Weltfußballer Robert Lewandowski.

OFFENES GEHEIMNIS: Richtig abschirmen können sich die Kroaten in ihrem EM-Quartier in Rovinj, einer Hafenstadt an der Westküste Istriens, nicht. Man habe für das Spiel gegen England Überraschendes planen wollen, doch nachdem viele Medien drüber berichtet hätten, habe England alles gewusst, sagte Trainer Zlatko Dalic. «Wir werden nicht verlieren oder gewinnen, weil Medienvertreter etwas im Training sehen. Aber ich würde mehr Ruhe bevorzugen.» Gegen England verloren die Kroaten 0:1. Nun steht das zweite Gruppenspiel gegen Tschechien an, das gegen Schottland 2:0 siegte.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News