Ende der erfolgreichen Mission von BVB-Coach Terzic

23.05.2021 Welch ein Endspurt! Mit großem Geschick und viel Emotionen hat Edin Terzic den BVB noch in die Champions League und zum ersten Titel seit 2017 geführt. Ist solch ein Trainertalent nicht zu gut für die Rolle als Assistent?

Hat Borussia Dortmund in die Champions League geführt: BVB-Trainer Edin Terzic. Foto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Edin Terzic wirkte wunschlos glücklich. Am Ende seiner erfolgreichen Mission als Cheftrainer von Borussia Dortmund schien alle Last von ihm abzufallen.

«Wir sind stolz auf das, was wir geleistet haben», kommentierte der 38 Jahre alte Fußball-Lehrer nach dem 3:1 (1:0) über Bayer Leverkusen den beachtlichen Endspurt seines Teams mit sieben Bundesliga-Siegen in Serie und dem Pokaltriumph von Berlin.

Terzic gehört zu den größten Aufsteigern der Saison. Binnen fünf Monaten hat der Deutsch-Kroate das Interesse gleich mehrerer Clubs geweckt. Schließlich führte er die lange Zeit wankende Borussia zum ersten Titel seit 2017 und als Tabellendritter zurück in die Champions League. Bei aller Freude über das für ihn neue Rampenlicht verspürte er am Saisonende aber vor allem den Wunsch nach einem kurzen Rückzug ins Private: «Ich werde heute Abend mit vollem Genuss nach Hause fahren, weil ich meine Familie seit über zehn Tagen nicht gesehen habe. Und es waren sehr emotionale Tage - auch für mich. Darüber werde ich mich noch am Montag und auch am Dienstag freuen.»

Eine Entscheidung über seine Zukunft will er erst danach treffen. Noch immer zweifelt die Fachwelt, dass der Favre-Nachfolger in seinen ehemaligen Job als Dortmunder Co-Trainer zurückkehren und dem künftigen Chefcoach Marco Rose zuarbeiten wird. Und doch scheint es genau darauf hinauszulaufen. «Der Wunsch, den wir schon im Dezember klar geäußert haben, ist, dass mein Weg hier sehr gerne weitergehen darf. Wir werden die beste Entscheidung im Sinne des Vereins treffen», kündigte Terzic vielsagend an.

Anders als solche Spieler wie Dortmunds Lukasz Piszczek oder die Leverkusener Zwillinge Lars und Sven Bender verspürte Terzic am Samstag keine große Lust, Adieu zu sagen. Der bewegende Abschied der drei Musterprofis ging selbst einem erfahrenen Spieler wie Marco Reus nahe. «Leider gehen ein paar Spieler, die einen unglaublichen Eindruck hinterlassen haben in der Bundesliga und ihren jeweiligen Vereinen. Das macht einen natürlich schon traurig», kommentierte der BVB-Kapitän bei Sky.

Passend zum Abschiedsszenario setzte der erst wenige Sekunden zuvor eingewechselte Leverkusener Lars Bender mit seinem Elfmetertreffer in der 90. Minute den Schlusspunkt der Partie - unter Mithilfe des passiven BVB-Torhüters Roman Bürki. «Es war sehr schön, dass er diesen Abschied bekommen hat. Ich freue mich über diesen Moment mehr als ich mich über die Niederlage ärgere», sagte der ebenfalls scheidende Leverkusener Chefcoach Hannes Wolf. Dem Torschützen selbst stockte die Stimme: «Es ist gefühlt ein ganzes Leben, was da war. Da stecken soviel Erinnerungen drin, das ist heftig.»

Nicht minder emotional erlebte Piszczek seinen Abschied, als er in der 75. Minute unter dem Beifall aller Profis den Platz verließ. Nach elf Jahren im schwarz-gelben Trikot hatten Fans aus Dank für die großen Verdienste des 35 Jahre alten Außenverteidigers die leere Südtribüne mit einem überdimensionalen Trikot mit der Nummer 26 und Spruchbändern dekoriert. «Wenn ich auf die Südtribüne schaue, wie alles vorbereitet ist, macht mich das stolz. Schade, dass die Fans nicht dabei sein durften», sagte Piszczek.

Abgerundet wurde die große Abschiedsshow durch Manuel Gräfe. Nachdem er mit BVB-Torjäger Erling Haaland das Trikot getauscht hatte, passierte der Schiedsrichter im Anschluss an seine 289. Bundesligapartie das von beiden Teams gebildete Spalier - begleitet von seinen beiden Kindern. Weil er die vom DFB vorgesehene Altersgrenze von 47 Jahren überschreitet, war auch der Referee aus Berlin zum letzten Mal dabei. «Man kann ja fast nicht besser aufhören. Das war ja fast wie bei einem Spieler. Das als Schiri, das war schon phänomenal», schwärmte Gräfe.

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