Herbstbräuche in Thüringen: Stille Tage, Lichter und Feiern

23.10.2021 Grusel und Geister, Kirmes und Umzüge oder Ruhe und Besinnlichkeit? Jedes Jahr treffen im Herbst ganz unterschiedliche Traditionen und Bräuche aufeinander. Wer feiert was?

Ein leuchtendes Riesenrad und andere Fahrgeschäfte stehen beim Erfurter Oktoberfast auf dem Domplatz. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der November bringt stille Feiertage - vorher aber wollen viele noch einmal auf den Putz hauen: Herbstfeste sind eine jahrhundertalte Tradition. Aber auch Halloween ist in Thüringen für viele zu einem besonderen Termin im Jahresverlauf geworden. Woher kommen die Bräuche und was hat das mit der Tradition zu tun?

Gedenken und Besinnung

Allerheiligen: In der Katholischen Kirche wird am 1. November der Heiligen und ihrer Leistungen gedacht. Zu Allerheiligen werden Kerzen entzündet. Diese leuchten auch am darauffolgenden Tag, wenn an Allerseelen an verstorbene Familienangehörige erinnert wird.

Das seit 835 festgelegte kirchliche Fest ist nur in wenigen Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag - neben Rheinland-Pfalz und Saarland auch in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Da es sich in Thüringen auch 2021 um einen Werktag handelt, werden hier Gräbersegnungen teils aufs Wochenende gelegt.

Reformationstag: Die Evangelische Kirche begeht am 31. Oktober den Reformationstag. Protestanten feiern an diesem Tag die Erneuerung der Kirche durch Martin Luther.

Geister und Grusel

Halloween: Das Halloween-Fest stammt ursprünglich aus Irland. Am Abend vor Allerheiligen, dem «All hallows eve», zündeten die überwiegend katholischen Iren ein Licht an. Ausgehöhlte und von Kerzen beleuchtete Kürbisse mit frechen, lustigen oder gruseligen Fratzen werden vor das Haus gestellt, um die Geister abzuwehren. Kinder verkleiden sich und gehen von Tür zu Tür. Sie erbitten Süßes und drohen bei Ablehnung Saures an.

«Dia de los muertos» heißt auf Deutsch «Tag der Toten» - was düster klingt, ist in Mexiko eine frohe und vor allem farbenfrohe Angelegenheit. Mit Paraden, schreiend bunten Gesichtsbemalungen und Totenschädel-Torten aus Zucker erinnern die Menschen dort an ihre Verstorbenen.

Kirmes und Umzüge

Kirmes: Im Herbst waren nach einer guten Ernte die Scheunen und Keller voll, die Arbeit erledigt. Mit dem Herbst beginnt auch die festreiche Zeit des Jahres. «Kirmes ist in Thüringen an vielen Orten zu finden», sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Volkskundlichen Beratungs- und Dokumentationsstelle für Thüringen in Hohenfelden (Weimarer Land), Jana Kämpfe. Die Kirmes hat ihren Ursprung in den Kirchweihfesten. Nach der Reformation wurden diese oft mit dem Erntedankfest verbunden.

Sankt Martin: «Ich geh mit meiner Laterne ... » Jedes Jahr um den 11. November herum ziehen Scharen von Kindern mit bunten Laternen durch die Straßen und singen Martins- und Laternenlieder. Der Heilige Martin von Tours hat im vierten Jahrhundert gelebt und teilte der Legende zufolge seinen Mantel mit einem armen Bettler. Bereits die frühen Christen kannten Lichterprozessionen, mit denen sie vermutlich auch den Heiligen Martin an seinem Gedenktag ehrten.

Bunte Laternen und Gesang hier, gruselige Masken und «Süßes oder Saures» dort: Ein Sprecher des Bistums Erfurt hat nicht den Eindruck, dass die Umzüge in Konkurrenz zueinander stehen. Halloween habe für Christen keine Bedeutung.

In Eisenach wird der Martinstag ganz besonders gefeiert: Hier findet der «Heischegang» statt. Als Märzemännchen verkleidet ziehen Kinder von Tür zu Tür und «betteln» mit Reimen um kleine Gaben. Der Brauch ist auf die Schulzeit Martin Luthers in Eisenach zurückzuführen. Er zog durch die Straßen, um mit Ständchen vor den Häusern um Spenden zu bitten, um seine Gasteltern bezahlen zu können.

Süßes und Hübsches

Süßigkeiten: Die Verbraucher in Deutschland geben Millionen für Halloween-Süßigkeiten aus. Aber auch für Martinszüge und die Märzemännchen werden Schoki und Co. gekauft.

Kürbis: Kürbisse sind schon seit langem gängige Deko-Artikel im Herbst. Sie werden meist eigens dafür gezüchtet. Das Interesse an Halloween-Kürbissen an ihrem Stand auf dem Domplatz in Erfurt sei durchgehend hoch, sagte eine Angestellte am Stand von Dirk Stern aus Elxleben (Ilm-Kreis). «Da kommen schon die Familien und kaufen zum Schnitzen».

Zum Aushöhlen seien vor allem die großen Kürbisse gefragt. Aber auch viele kleine Hokkaido- und Zierkürbisse würden verkauft und unbearbeitet als Dekoration hingestellt. «Die werden dann später gegessen, wenn Weihnachten kommt. Die halten ja ewig, kein Thema».

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