Legales Cannabis: GdP erwartet keine Entlastung der Polizei

20.10.2021 Kommt es zu einer Ampel-Koalition auf Bundesebene, könnte im Koalitionsvertrag die Legalisierung von Cannabis festgeschrieben werden. Ein Argument dafür ist die Entlastung von Polizei und Justiz. Nicht jeden vom Fach überzeugt das.

Eine Polizistin hält kleine Tütchen mit Marihuana in den Händen. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Thüringer Gewerkschaft der Polizei (GdP) rechnet nicht mit einer Arbeitsentlastung der Sicherheitskräfte, sollte eine mögliche Ampel-Koalition im Bund Cannabis legalisieren. Eine Legalisierung werde lediglich zu einer «Verschiebung der Arbeitsfelder» führen, sagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende Thomas Scholz der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe kein Pflichtbewusstsein bei den Konsumenten. Viele wüssten nicht, was die Droge mit ihnen anstellen könne. Seiner Meinung nach «müsste parallel viel mehr an Prävention und Aufklärung gearbeitet werden».

Die Debatte über die Cannabis-Legalisierung hat mittlerweile in Deutschland Fahrt aufgenommen, weil in einem möglichen Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP eine kontrollierte Abgabe festgeschrieben werden könnte. Zuletzt hatte sich der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dafür ausgesprochen, der sich in der Vergangenheit eher dagegen positioniert hatte.

Udo Tietjen, ein Richter am Landgericht Erfurt, machte darauf aufmerksam, dass es in den vergangenen Monaten vermehrt Verfahren gegen Menschen gegeben habe, die an einer «drogeninduzierten Psychose» erkrankt seien. Cannabis sei mitunter ein Grund dafür, sagte Tietjen. Außerdem habe er die Befürchtung, dass eine Legalisierung den Konsum bei Jugendlichen oder sogar Kindern steigern könnte. Positiv ist laut Tietjen nur, dass die Zahl der Straftaten, die Drogendelikten zugeschrieben werden, möglicherweise abnehmen könnte.

Der Gewerkschafter Thomas Scholz erwartet dies nicht. «Ich glaube nicht, dass es mit einer Legalisierung keinen Schwarzmarkt mehr geben wird.» Menschen, die sich die Droge «in Apotheken oder wo auch immer» nicht leisten könnten, würden sie sich trotzdem auf illegalem Wege besorgen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News