Rund 10.000 weniger Männer lassen 2020 Prostata abtasten

28.09.2021 Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Früh erkannt ist er heilbar. Deshalb sind Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Trotzdem ging das Interesse 2020 zurück.

Ein Stethoskop hängt um den Hals eines Arztes. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

2020 haben deutlich weniger Männer in Thüringen eine Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchung in Anspruch genommen als früher. Aus Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) geht hervor, dass im vergangenen Jahr rund 119.800 Männer zur Krebsfrüherkennung gingen - das sind rund 10.000 weniger als in den Jahren davor. Zwischen 2016 und 2019 gingen im Schnitt rund 129.750 Männer zur vorsorglichen Prostata-Untersuchung.

Eine Tastuntersuchung der Prostata und der Lymphknoten ist für Männer ab 45 Jahren empfohlen und eine jährliche Vorsorgeleistung der Kassen. Krebsvorsorge soll dabei helfen, Gewebeveränderungen früh zu entdecken - idealerweise, bevor daraus Tumore werden. Oder aber diese zu finden, wenn sie noch klein sind und nicht gestreut haben. Das erhöht die Heilungschancen. Ob ein Mann an einer Früherkennungsuntersuchung teilnehmen möchte, diese Entscheidung steht ihm frei.

Zu den Gründen für den Rückgang lagen der Kassenärztlichen Vereinigung nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse vor. Der Vorsitzende des Berufsverbandes der Deutschen Urologen in Thüringen, Stefan Mohr, vermutete einen Zusammenhang mit der Pandemie. «Aus meiner persönlichen Sicht ist wegen Corona 2020 ein besonderes Jahr.» Zeitweise seien Urologen angehalten gewesen, vornehmlich akute Patienten zu behandeln.

«Die Vorsorgeuntersuchung des Mannes ist für uns Urologen ein zentraler Bestandteil unserer täglichen Arbeit und liegt uns sehr am Herzen», erläuterte Mohr. In seiner Praxis kämen die Patienten «weiterhin gern und regelmäßig zur Vorsorge». Aktuell werde trotz Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung wieder «ähnlich wie bisher» behandelt.

Für 2020 rechnete das Robert Koch-Institut (RKI) mit rund 61.200 Neuerkrankungen. Prostatakrebs tritt nach Angaben des RKI vor dem 50. Lebensjahr nur selten auf: Das Risiko für einen 35-jährigen Mann, in den nächsten 10 Jahren zu erkranken, liegt unter 0,1 Prozent, das eines 75-jährigen Mannes hingegen bei etwa 5 Prozent.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Empfehlungen der Redaktion

Gesundheit

Keine Warnsignale: Was Männer zu Prostatakrebs wissen müssen

Regional thüringen

News Regional Thüringen: Beschuldigte im Prozess um linksextreme Gewalt schweigen

Regional thüringen

News Regional Thüringen: Fast jede zweite Frau lässt Mammografie-Einladung verfallen