Bundestagswahl könnte die Karten in Thüringen neu mischen

23.09.2021 1,7 Millionen Thüringer können am Sonntag mitentscheiden, wie der Bundestag in den nächsten vier Jahren zusammengesetzt ist. Für die CDU im Freistaat geht es darum, wie viele Wahlkreise sie gegen SPD und AfD verteidigen kann.

Ein Briefumschlag mit der Aufschrift «Wahlbenachrichtigung». Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wahlkampfendspurt auf Märkten und Plätzen überall in Thüringen: Kurz vor der Bundestagswahl an diesem Sonntag wollen die Parteien noch Wähler für sich gewinnen. Vor allem die CDU steht vor einer großen Herausforderung. 2017 wurde sie in Thüringen mit 31,6 Prozent der Stimmen stärkste Partei, gewann alle acht Wahlkreise und schickte ihre Direktkandidaten in den Bundestag. Nach Prognosen könnten ihr die SPD, die bundesweit im Aufwind ist, aber auch die AfD in diesem Jahr Wahlkreise streitig machen.

Laut einiger Umfragen - die allerdings nur ein punktuelles Stimmungsbild wiedergeben - könnte die AfD in Thüringen erstmals stärkste Partei werden, ebenso wie in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Partei, die in Thüringen wegen rechtsextremistischer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, lag vor vier Jahren bei der Bundestagswahl mit 22,5 Prozent auf Rang zwei hinter der CDU.

«Die CDU holt auf und hat die Chance, in allen Thüringer Wahlkreisen zu gewinnen», gibt sich CDU-Fraktionschef Mario Voigt zuversichtlich. «Wir sind in einer knappen Situation», räumt er ein. Es liege es an den rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten, wer Thüringen in Berlin direkt vertrete.

Die Erwartung, einige ihrer Kandidaten direkt durchzubringen, hat in diesem Jahr auch die SPD, die 2017 auf 14,6 Prozent der Stimmen kam. Im Fokus steht dabei der ehemalige Biathlon-Olympiasieger Frank Ullrich, der gegen den umstrittenen CDU-Kandidaten Hans-Georg Maaßen in Südthüringen antritt. SPD-Fraktionschef Matthias Hey freute sich über den positiven Trend für die SPD, für die Thüringen in ihrer Geschichte einst ein Stammland war.

Unter den acht Wahlkreisen weist der für Erfurt - Weimar - Weimarer Land II die meisten bekannten Namen auf. Neben dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, tritt hier die Bundesvorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow an. Nach Jahren als Partei- und Fraktionsvorsitzende in Thüringen will sie erstmals in den Bundestag einziehen. Die Linke hatte vor vier Jahren als Partei 17,6 Prozent der Stimmen erhalten.

Außerdem kandidiert in Erfurt Katrin Göring-Eckardt, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Derzeit gehört das Direktmandat der CDU-Haushaltspolitikerin Antje Tillmann, die es verteidigen will.

Grüne und FDP kamen 2017 auf einen Stimmenanteil von 3,6 und 5,5 Prozent in Thüringen. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 74,3 Prozent. In diesem Jahr erwartet Landeswahlleiter Günter Krombholz einen relativ hohen Anteil an Briefwählern - auch wegen der noch nicht überstandenen Corona-Pandemie. Am Wahltag werden nach seinen Angaben rund 30.000 freiwillige Helfer für einen ordnungsgemäßen Ablauf sorgen.

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