Prozess: Zeuge sieht Baseballschläger bei Angreifer

21.09.2021 Im April 2018 werden in Nordthüringen zwei Journalisten überfallen und schwer verletzt. Sie hatten vor dem Haus eines bekannten Neonazis recherchiert. Die Angeklagten stellen den Vorfall als eine Art Notwehr dar. Im Zentrum des Interesses: ein Baseballschläger.

Eine Statue der Justitia steht unter freiem Himmel. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess zum Überfall auf zwei Journalisten im Raum Fretterode (Landkreis Eichsfeld) haben am Dienstag mehrere Zeugen geschildert, wie zwei Angreifer das Auto der Männer attackiert haben. «Einer hatte den Baseballschläger in der Hand und der andere, da habe ich nicht gesehen, was er in der Hand hatte», sagte einer der Zeugen vor dem Landgericht Mühlhausen während der Fortsetzung der Hauptverhandlung. Mit dem Baseballschläger und dem anderen Gegenstand hätten die beiden Männer unter anderem auf die Motorhaube und auf die Windschutzscheibe des Autos der Journalisten eingeschlagen.

Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen wirft den 22 und 27 Jahre alten Angeklagten Sachbeschädigung, gefährliche Körperverletzung und schweren Raub vor. Sie werden der rechtsextremen Szene zugeordnet. Die beiden Männer sollen die Journalisten im April 2018 im Raum Fretterode angegriffen haben, ohne zuvor von ihnen attackiert worden zu sein. Zu der Auseinandersetzung kam es, als die beiden Presseleute in der Nähe des Grundstücks des Rechtsextremisten Thorsten Heise zu Recherchezwecken fotografiert hatten. Sie wurden bei der Attacke schwer verletzt. Heise ist unter anderem stellvertretender Bundesvorsitzender der NPD.

Die nun vor Gericht gemachten Zeugenangaben stehen im Widerspruch zu den Äußerungen der Angeklagten, die beim Prozessauftakt erklärt hatten, die beiden Journalisten hätten den Baseballschläger bei sich gehabt und gegen sie eingesetzt. Die Journalisten bestreiten das.

Einer von ihnen hatte während seiner Aussage vor Gericht erklärt, einer der Angreifer habe den Baseballschläger mitgebracht und damit zunächst um sich geschlagen. Das erste Mal habe der Angreifer ihn damit am Oberschenkel getroffen. «Mit dem zweiten Schlag habe ich den Baseballschläger dann mit dem Händen abgefangen und ihn ihm entrissen.» Die Angeklagten hatten die Tat zum Prozessauftakt zwar teilweise eingeräumt, sie aber als eine Art Notwehrhandlung dargestellt. Die Frage, wer den Baseballschläger zuerst in der Hand hatte und geschwungen hat, ist für den Prozess deshalb von großer Bedeutung.

Ein zweiter Zeuge bestätigte, dass offenbar einer der beiden Journalisten den Baseballschläger schließlich in der Hand hatte - ihn aber zur Verteidigung genutzt habe. Er habe gesehen, wie eine dritte Person - niemand von den Angreifern - den Baseballschläger im Laufe der Auseinandersetzung gehalten habe. «Es war keine aggressive Haltung, es kam eher defensiv rüber.» Die Person habe die Waffe nach unten gerichtet gehalten und den Angreifern etwas zugerufen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Journalistenverbandes Thüringen, Sebastian Scholz, sagte am Rande des Verhandlungstages, dass die Aufklärung des Sachverhaltes so mühsam sei, sei auch eine Folge davon, dass zwischen der Tat und der Hauptverhandlung mehr als drei Jahre liegen. Ein früher Prozessbeginn wäre aus seiner Sicht im Interesse aller Beteiligter gewesen. Die in dem Prozess vernommenen Zeugen haben immer wieder erklärt, sie könnten sich nach so langer Zeit nicht mehr an alle Details des damaligen Geschehens erinnern.

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