Bischof kritisiert Rolle der Kirche bei Missbrauchsfällen

19.09.2021 Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat die Rolle der katholischen Kirche beim sexuellen Missbrauch scharf kritisiert. Das Entsetzen über die Missbrauchsfälle und auch den Umgang der Verantwortlichen mit Beschuldigten und Betroffenen sei berechtigt, sagte Neymeyr bei seiner Predigt zur Bistumswallfahrt am Sonntag auf den Erfurter Domstufen. «Es gibt daran nichts zu beschönigen.» Katholische Amtsträger hätten schwere Schuld auf sich getragen und die Kirche sei dadurch eine sündige Kirche geworden. Das nicht wahrzunehmen, sei die tiefste systemische Ursache des Missbrauchsgeschehens in der katholischen Kirche.

Bischof Ulrich Neymeyr kommt zur Heiligen Messe auf den Domstufen im Rahmen der Bistumswallfahrt zum Erfurter Domberg. Foto: Michael Reichel/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Erfurter Bistum werde im Oktober eine unabhängige Kommission unter Beteiligung von Betroffenen damit beginnen, das Geschehene soweit wie möglich aufzuarbeiten, sagte Neymeyr weiter. Seit elf Jahren gebe es im Bistum außerdem eine Missbrauchskommission, in der jeder einzelnen Beschuldigung nachgegangen werde. Auch auf dem Feld der Prävention habe es Fortschritte gegeben. «Wir sind nicht tatenlos. Manches dauert zu lange, aber wir können nicht auf Erfahrungen anderer zurückgreifen.»

Zur Bistumswallfahrt waren am Sonntag nach Angaben eines Bistumssprechers rund 500 Menschen gekommen. Zugelassen war die doppelte Anzahl an Menschen, vor der Pandemie hatte die Zahl der Gläubigen im Schnitt bei 2500 gelegen. In diesem Jahr habe wohl Corona noch einige zögern lassen, sagte der Sprecher. «Nicht jeder feiert unter Auflagen gerne Gottesdienst.» Außerdem seien das graue Wetter und das lange Wochenende im Freistaat nicht optimal gewesen.

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