Ausfälle und Verspätungen: Bahnstreik trifft Osten hart

11.08.2021 «Streik - Zug fällt aus» steht am Mittwoch an vielen Anzeigetafeln der Deutschen Bahn. Die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen trifft der Lokführerstreik mit ganzer Wucht. Und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer setzt den Ausstand fort.

Fahrgäste warten auf einen Zug. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat den Südosten hart getroffen. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fielen am Mittwoch zahlreiche Züge aus, manche fuhren mit erheblicher Verspätung. Auch die S-Bahnen waren betroffen. Hier gab es aber zumindest einige Verbindungen mit längerer Taktung und verkürzten Fahrstrecken.

«Der Ersatzfahrplan läuft stabil, auch wenn wir nicht gewährleisten können, dass jeder pünktlich ans Ziel kommt», sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn, der für die drei Bundesländer zuständig ist. Er rief Bahnreisende auf, sich auf der Internetseite bahn.de über ihre Verbindungen zu informieren. Im Fernverkehr waren am Mittwoch laut Bahn nur rund 25 Prozent der Züge unterwegs.

Für Donnerstag werde es im Nahverkehr wohl keine Veränderungen geben, erläuterte der Bahnsprecher. Er rechnete erst zum einsetzenden Berufsverkehr am Freitagmorgen mit einem normalen Fahrplan.

Zu Beeinträchtigungen kam es am Mittwoch im S-Bahnverkehr in und um Leipzig sowie Dresden. Betroffen waren auch zahlreiche Regionalzüge. Von Leipzig aus wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen nach Berlin und Nürnberg eingerichtet. In Sachsen-Anhalt kam es zu Beeinträchtigungen unter anderem auf den Strecken zwischen Magdeburg und Uelzen beziehungsweise Halle und der S-Bahnlinien S1 in und um Magdeburg sowie der S8 zwischen Halle und Zahna/Jüterborg. In Thüringen waren die Regionalzüge RE 2, RE 3 und RB 52 betroffen, die zwischen Erfurt sowie Kassel, Altenburg und Leinefelde verlaufen.

Auf dem Leipziger Hauptbahnhof blieb am Mittwoch ein Chaos aus. Die Deutsche Bahn hatte mobile Berater eingesetzt, die die Reisenden mit allgemeinen Informationen versorgten und auf Angebote anderer Zuganbieter hinwiesen, die nicht vom Streik betroffen sind.

Vor dem Reisezentrum am Erfurter Hauptbahnhof, einem wichtigen ICE-Drehkreuz, zog sich am Mittwoch eine Menschenschlange bis hinaus vor das Bahnhofsgebäude. Wenn denn ein Fernzug einfuhr, hieß es oftmals «Zug stark ausgelastet ohne Reservierung keine Mitfahrt möglich».

An den Taxiständen hielt sich die Nachfrage in Leipzig und Erfurt im Rahmen. Wegen des Streiks sei nicht mehr los, sagte ein Fahrer in der Messestadt. Es fehlten die mit dem Zug ankommenden Reisenden. Etwas mehr Fahrten gebe es jedoch ins weiter entfernte Umland. Ein Erfurter Taxifahrer hatte am Morgen noch spekuliert, «dass es besser laufen» würde. Aber ganz im Gegenteil. Die Fahrgäste waren wohl gut vorbereitet durch die Ankündigungen.

Auf den Autobahnen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen war vom Lokführerstreik kaum etwa zu spüren. Es sei der übliche Morgenverkehr registriert worden, mehr Staus wegen des Streiks seien nicht vermerkt worden, teilten die Verkehrswarndienste der drei Länder am Mittwoch mit.

Und auch die Flugreisende an den Airports Leipzig/Halle und Dresden waren von dem Streik kaum betroffen. «Weder in Dresden noch am Flughafen Leipzig/Halle haben wir bisher größere Beeinträchtigungen für unsere Fluggäste festgestellt», sagte der Pressesprecher der Mitteldeutschen Flughafen AG, Arne Schwerin, am Mittwoch in Leipzig. Beide Flughäfen seien nicht nur mit der S-Bahn, sondern auch mit dem Bus gut erreichbar.

Die GDL-Mitglieder streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Unter anderem verlangen sie eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Die Bahn will die Erhöhung nach den Corona-Verlusten über eine längere Zeit strecken. Dahinter schwelt in der Belegschaft ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt.

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