Werner sieht Geldprämien als Anreiz für Impfmuffel skeptisch

31.07.2021 Von einer Herdenimmunität ist Thüringen noch weit entfernt. Doch das Impftempo hat deutlich nachgelassen. Einige Länder bieten Geldprämien als Impfanreiz. Thüringens Gesundheitsministerin Werner hält davon aber wenig.

Eine Spritze liegt auf einem Impfpass. Foto: Friso Gentsch/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Damit die Impfkampagne wieder an Tempo gewinnt, kann sich Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) Impfungen an ungewöhnlichen Orten vorstellen, eine Geldprämie aber eher nicht. Sie wolle nichts ausschließen, glaube aber nicht, dass Prämien als Impfanreiz «das Mittel der Wahl» seien, sagte Werner der Deutschen Presse-Agentur. «Diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen - aus welchen Gründen auch immer -, die werde ich auch nicht mit 100 Euro überzeugen», so die Ministerin. Ihrer Ansicht sei wichtiger, die Menschen vor Ort zu erreichen und die Hürden für eine Impfung stark abzusenken.

Immer wieder gibt es Überlegungen und Forderungen nach einem Anreizsystem, um das Impftempo in Deutschland wieder zu beschleunigen. Unter anderem Griechenland arbeitet seit einiger Zeit mit Geldprämien, um die Impfquote zu erhöhen. Geimpfte unter 26 Jahren erhalten dort 150 Euro als Guthaben, das sie unter anderem für Ferienunterkünfte oder Eintrittskarten für Museen und Konzerte ausgeben können.

In Deutschland hatten sich die Forscher Jan Schnellenbach von der TU Cottbus-Senftenberg und Ekkehard Köhler von der Uni Siegen Anfang Juli in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» für Geldprämien als Impfanreize ausgesprochen.

Werner sagte, es gebe viele Menschen, die sich impfen lassen wollten. «Für manchen ist es eben doch eine Hürde, einen Termin auszumachen und deswegen machen wir jetzt Angebote, um praktisch zu den Menschen hinzugehen.»

Vieles sei denkbar, um die Hürden beim Impfen noch zu senken - etwa Angebote in den späten Abend- und Nachtstunden, ohne Termin, Impfbusse, die in etwas abgelegenere Regionen fahren oder in Gewerbegebiete mit vielen kleineren Firmen. Auch unkonventionelle Impforte würde sie nicht ausschließen - etwa vor einem Baumarkt.

Angesichts der Erwartung, dass im Herbst die Infektionszahlen auch in Thüringen wieder ansteigen könnten, schreibt Werner Corona-Tests auch nach den Sommerferien eine größere Bedeutung zu. Es sei möglich, dass die Menschen zum Beispiel wieder einen negativen Test vorzeigen müssten, um bestimmte Veranstaltungen besuchen zu können. «Da wird es einfach einen Unterschied geben. Also Geimpfte und Genesene brauchen keinen Test. Aber wer eben nicht geimpft ist, der muss sich testen lassen», sagte Werner. Als Gesundheitsministerin müsse sie dafür sorgen, dass auch diejenigen geschützt werden, die sich nicht impfen lassen können.

Der Idee, dass Ungeimpfte dann für einen Test zahlen müssten, kann Werner etwas abgewinnen, wie sie sagte. «Ich glaube, dass das irgendwann sowieso dazu kommen wird, dass nicht der Steuerzahler für diejenigen aufkommt, die sich nicht impfen lassen wollen», sagte Werner. Es sei dann die eigene Verantwortung. Und dazu gehöre, dass sie die Tests selbst finanzierten. Für Menschen, die sich nicht impfen lassen könnten, brauche es aber weiterhin staatliche Angebote.

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