Umwandlung: Neue Wege für kleine Schulen in Thüringen

30.07.2021 Lange wurde über das neue Thüringer Schulgesetz gestritten. Nun treten ab 1. August die letzten Regelungen in Kraft. Erstmals greifen damit Vorgaben zu Mindestgrößen von Schulen. Einige starten Kooperationen.

Ein Plakat mit der Aufschrift «Lasst die Schule im Dorf» hängt vor einer Grundschule. Foto: Bodo Schackow/ZB/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Durch Kooperationen, Erweiterungen und Umwandlungen wird sich die Thüringer Schullandschaft nach den Sommerferien leicht verändern. Von den 977 Schulen im Freistaat soll eine geschlossen werden, drei weitere sollen an andere Schulen angegliedert werden und eine Schule soll sich von einer Regel- in eine Gemeinschaftsschule wandeln. Das geht aus einer Zusammenstellung des Thüringer Bildungsministeriums hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Ab 1. August greifen in Thüringen neue Regeln im Schulgesetz, die bereits im Jahr 2019 festgeschrieben wurden. Es ist der letzte Teil des novellierten Schulgesetzes, der nun in Kraft tritt. Ab Sonntag gelten damit in Thüringen Mindestschülerzahlen und Mindestklassengrößen, die Schulen vorweisen müssen, um bestehen zu bleiben.

An Grundschulen etwa soll die Eingangsklasse einer neuen Klassenstufe mindestens 15 Schüler haben, jede weitere 14. Grundschulen dürfen einzügig, also mit nur einer Klasse in einer Klassenstufe, laufen. An Regelschulen und Gymnasien sollen in der Regel mindestens 20 Schüler in einer Klasse lernen. Auch für die anderen Schulformen sind Mindestgrößen festgelegt.

In Gera wandelt sich im kommenden Schuljahr die Ostschule von einer Regel- in eine Gemeinschaftsschule. Künftig werden dort also bis zur achten Klasse alle Schüler zusammen lernen und erst dann entscheiden, welchen Schulabschluss sie machen wollen. An einer Gemeinschaftsschule kann in der Regel nicht nur der Hauptschul- und Realschulabschluss absolviert werden, sondern auch das Abitur. In Gera sollen aber zunächst nur die Klassenstufen eins bis zehn unterrichtet werden. Seit dem Jahr 2014 bis zum Jahr 2020 ist die Zahl von Gemeinschaftsschulen in Thüringen von 46 auf 70 gewachsen.

Im Landkreis Hildburghausenwird die bisherige Grundschule Hinternah eine Filiale der Grundschule Gerhart Hauptmann in Schleusingen. Grund sind seit Jahren sinkende Schülerzahlen. Mit Kooperationen wie dem sogenannten Filialmodell können Schließungen von Schulen abgewendet werden, die die neuen Anforderungen an ihre Größe nach dem Schulgesetz nicht mehr erfüllen.

Die Gemeinschaftsschule Dünwaldschule in Hüpstedt (Unstrut-Hainich-Kreis) soll erweitert werden um die Primarstufe der Grundschule Hüpstedt. Beide Schulen hatten sich ohnehin schon seit Jahren ein Schulgebäude geteilt. Unterrichtet werden dort die Klassenstufen eins bis zehn.

Ein ähnlicher Fall steht in Gotha an, wo die Brüder-Grimm-Grundschule als Erweiterung in die Staatliche Gemeinschaftsschule Gotha aufgehen soll. Auch hier führt die Schule die Kinder und Jugendlichen von der ersten bis zur zehnten Klasse.

Schießen muss das Ilmenau-Kolleg in Ilmenau, wo berufserfahrene Erwachsene die allgemeine Hochschulreife nachholen konnten. Laut Ministerium gab es dort schon seit Jahren geringe Schülerzahlen. Im Schuljahr 2020/2021 waren nur neun Schülerinnen und Schüler in der zwölften Klasse.

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