Thüringer Arbeitsmarkt erholt sich zunehmend von Coronakrise

30.06.2021 Niedrige Corona-Inzidenzen, geöffnete Geschäfte und Gaststätten - die negativen Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsmarkt schwinden allmählich. Das zeigt sich an sinkenden Erwerbslosenzahlen.

"Agentur für Arbeit" hängt über dem Eingang der Bundesagentur. Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Arbeitsmarkt in Thüringen ist weiter auf Erholungskurs von den Folgen der Corona-Pandemie. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Juni um 2800 oder 4,4 Prozent im Vergleich zum Mai auf 62.100 und nähert sich allmählich dem Vorkrisenniveau an, wie die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte. Dabei spielten auch Saisoneffekte durch die Frühjahrsbelebung eine Rolle, hieß es.

Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat ging die Erwerbslosenzahl zurück - um 8500. Die Arbeitslosenquote - im Mai noch bei 5,9 Prozent - ging auf 5,6 Prozent zurück. Dies ist laut Agentur der niedrigste Wert in Ostdeutschland. Absolut betrachtet waren im Juni allerdings noch 5400 Menschen mehr ohne Job als im Juni 2019.

Wie der Geschäftsführer der Regionaldirektion, Markus Behrens, sagte, ließen sinkende Corona-Inzidenzwerte und die damit verbundenen Öffnungen die Nachfrage nach Gütern, Waren und Dienstleistungen wieder anziehen. Viele Arbeitgeber benötigten jetzt verstärkt Personal, um Aufträge abarbeiten zu können. Im Juni meldeten die Firmen den Arbeitsämtern 5300 neue Stellen, etwa 1300 mehr als im Vorjahresmonat. Ein knappes Viertel davon entfiel auf Jobs in der Zeitarbeit, etwa sieben Prozent auf das Gesundheits- und Sozialwesen.

Die Zahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit beantragt wurde, ging im Juni im Vergleich zum Mai um mehr als die Hälfte auf rund 2500 zurück. Anträge stellten 200 Firmen, vor allem aus dem Bauvorbereitungs- und Ausbaugewerbe.

Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sieht auch der Deutsche Gewerkschaftsbund. «Langsam aber sicher scheinen sich die Zustände am thüringischen Arbeitsmarkt zu stabilisieren», erklärte der DGB-Vorsitzende für Hessen und Thüringen, Michael Rudolph. Er verwies unter anderem auf die moderat gesunkene Zahl der Langzeitarbeitslosen um 300 auf 25.300 im Vergleich zum Mai. Gemessen am Juni 2020 sind allerdings 5200 Frauen und Männer mehr mindestens ein Jahr ohne Job.

Rudolph forderte, bei allem Grund zum Optimismus die richtigen Schlüsse aus der Krise zu ziehen. «Wir müssen unbedingt zu einer neuen Ordnung am Arbeitsmarkt kommen», erklärte er. «Minijobs, zeitlich befristete Arbeitsverträge, Solo-Selbstständigkeit – diese Beschäftigten waren der Krise nahezu schutzlos ausgeliefert.» Hier brauche es Reformen. Zudem komme es nun darauf an, für mobiles Arbeiten und Homeoffice Regeln festzulegen, um einer «Entgrenzung der Arbeitswelt» einen Riegel vorzuschieben.

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