Arbeiten für Moschee verzögert: Noch kein Bauende in Sicht

14.06.2021 Es war ein Hürdenlauf, allein bis die Bauarbeiten beginnen konnten. Nun zeichnet sich immer mehr ab: Bis die ersten Muslime in Thüringens erstem Moscheeneubau beten können, dauert es länger als gedacht.

Suleman Malik, Sprecher der Thüringer Ahmadiyya-Gemeinde, steht im Rohbau der neuen Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Anfeindungen, Schwierigkeiten bei der Firmensuche und dann auch noch Pandemie: Bis der erste Neubau einer Moschee in Thüringen fertig gestellt ist, dauert es noch. «Der Bau unserer Moschee verzögerte sich um zwei Jahre», teilte der Sprecher der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt, Suleman Malik, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Als Gründe verwies Malik unter anderem auf gegen die Baustelle gerichtete Störaktionen.

In den vergangenen Jahren hatte es mehrere Protestaktionen gegeben. Unter anderem hatten Gegner des Projekts in der Nähe des Baugeländes große Holzkreuze und Holzspieße mit Schweinekadavern aufgestellt. Immer wieder gebe es aber auch Pöbeleien und Demonstrationen.

Zudem hatte Malik bereits in der Vergangenheit berichtet, dass es schwierig sei, regionale Unternehmen für die Bauarbeiten zu finden. Sie fürchteten etwa Übergriffe auf ihre Fahrzeuge und Anfeindungen von Moschee-Gegnern. Zuletzt habe auch die Corona-Pandemie wie in vielen anderen Bereichen zu Verzögerungen geführt.

«Dieser Bau ist ein Paradebeispiel dafür geworden, dass wir zwar in einer offenen Gesellschaft leben, aber vieles verbesserungsbedürftig ist und Werte wie die Religionsfreiheit immer wieder zu verteidigen gelten», sagte Malik. «So wie Antisemitismus ist die Muslimfeindlichkeit ein allgegenwärtiges Problem für die Gläubigen.» Malik verwies auf Hetze im Internet, Drohbriefe und Angriffe auf der Straße. Er und andere Muslime wollten durch einen Dialog und sorgfältige Debatten sowie durch Bildung und Aufklärung der Islamophobie entgegenwirken.

Der Grundstein für das Gotteshaus war Ende 2018 im Erfurter Stadtteil Marbach gelegt worden - nach langer Standortsuche und vielen Diskussionen auch im Thüringer Landtag. Zwischenzeitlich hatte die Gemeinde die Hoffnung, dass die Bauarbeiten 2019, dann 2020 abgeschlossen sein könnten. Inzwischen steht der Rohbau, so Malik. Allerdings ohne Kuppel und Zierminarett. Unklar sei, wann es einen offiziellen Einweihungstermin geben kann.

Die Ahmadiyya-Gemeinde zählt in Thüringen Malik zufolge aktuell mehr als 100 Mitglieder. Auch Anhänger anderer islamischer Strömungen leben in Thüringen. Insgesamt ist der Anteil an Muslimen im Freistaat aber relativ gering. Genaue Zahlen gibt es nicht. Das Büro der Thüringer Migrationsbeauftragten Mirjam Kruppa ging im vergangenen Jahr von mehreren Tausend aus.

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