SPD-Landesliste für Bundestagswahl mit Schneider an Spitze

06.06.2021 Nach einem Superwahljahr 2019 und einer Regierungskrise im Jahr 2020 bereiten sich die Parteien in Thüringen erneut auf Wahlkämpfe vor. Die Sozialdemokraten wählten nun Carsten Schneider an die Spitze ihrer Liste für die Bundestagswahl.

Carsten Schneider (SPD) spricht bei der Landesdelegiertenkonferenz der Thüringer SPD. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Knapp vier Monate vor der Bundestagswahl hat die Thüringer SPD ihre Wahlkampf-Mannschaft auf einer Landesliste gewählt. Als Spitzenkandidat geht der bisherige erste parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, ins Rennen für die Thüringer Sozialdemokraten. Der 45-Jährige erhielt bei einer Landesdelegiertenkonferenz der Thüringer SPD in Erfurt am Samstag von 189 abgegebenen Stimmen 172 Ja- und neun Nein-Stimmen bei acht Enthaltungen. Schneider kam damit auf ein Ergebnis von 91 Prozent. Mit Listenplatz eins sollte ihm ein Bundestagsmandat sicher sein.

Auf Platz zwei wählten die rund 200 SPD-Delegierten die bisherige Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser aus Gera. Sie erhielt 85,7 Prozent der Stimmen.

Den als ebenfalls aussichtsreich geltenden Platz drei der SPD-Bundestagskandidatenliste erhielt der ehemalige Biathlon-Olympiasieger Frank Ullrich aus Suhl, der bei der Delegiertenkonferenz 97,9 Prozent der Stimmen erhielt. Als Direktkandidat nimmt es Ullrich im Südthüringer Wahlkreis 196 mit dem umstrittenen Ex-Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen auf, der dort für die CDU antritt.

Die vom SPD-Landesvorstand für Platz vier vorgeschlagene Anne Bressem landete am Ende auf dem sechsten Listenplatz, stattdessen entschieden sich die Delegierten für Tina Rudolph, gefolgt von Holger Becker auf Platz fünf. Der bisherige Thüringer Bundestagsabgeordnete Christoph Matschie trat nicht erneut an.

Schneider hatte in seiner Bewerbungsrede auf die Bedeutung der Bundestagswahl hingewiesen. Es gehe um «knallharte Verteilungsfragen», sagte er. Man dürfe dabei identitätspolitische Fragen nicht in den Vordergrund rücken.

Bei der Bewältigung der Corona-Pandemie forderte er, die Schwächsten in der Gesellschaft besonders in den Blick zu nehmen. Die Corona-Krise habe ihnen am stärksten zugesetzt, sagte Schneider. «Ich denke da vor allem an Alleinerziehende, die ihren Job machen müssen, meistens noch in Präsenz und gar keine Chance auf Homeoffice haben und nebenbei noch ihren Kindern eine gute Zukunft geben wollen.» Es müssten nach der Corona-Krise nicht die Unternehmen, sondern die Menschen im Vordergrund stehen.

Thüringens SPD-Landesvorsitzender Georg Maier (SPD) ging in einer Rede vor allem auf die Belastungen durch die Corona-Pandemie auf Familien ein. Das vergangene Jahr habe Familien «an den Rand der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit gebracht», sagte Maier.

Ihm sei auch klar geworden, dass die Herausforderungen in Zukunft noch größer sein werden als in der Vergangenheit. «Jetzt geht es darum, nicht nur die materiellen Schäden zu beheben und die Wirtschaft wieder ans Laufen zu bekommen», sagte Maier. Jetzt gehe es auch darum, das Land wieder zu versöhnen und Wunden zu heilen.

Maier erklärte nach der Aufstellung der Landesliste, die Kandidaten würden unterschiedliche Perspektiven einbringen und bildeten unterschiedliche Politikfelder ab. Er freue sich auf den Wahlkampf.

Die Bundestagswahl ist am 26. September. Nach bisherigen Plänen soll an dem gleichen Tag auch ein neuer Thüringer Landtag gewählt werden - dafür müsste sich das Landesparlament aber vorher noch auflösen.

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