Ergotherapie: Steigender Behandlungsbedarf wegen Long-Covid

30.05.2021 Gedächtnisstörungen, Depressionen, Erschöpfung - Berichte über Langzeitfolgen nach einer Coronavirus-Infektion häufen sich. Teilweise verordnen Ärzte den Betroffenen dann eine Ergotherapie.

Weniger bekannt als Physiotherapie: die Ergotherapie. Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ergotherapie-Praxen in Thüringen bekommen es nach Beobachtung ihres Branchenverbandes DVE zunehmend mit unter Covid-19-Spätfolgen leidenden Patienten zu tun. «Long-Covid ist bei uns angekommen», sagte der Landesvorsitzende des Deutschen Verbandes Ergotherapie (DVE), Christoph Steinle, der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit betreffe das vor allem Menschen mit psychischen Problemen wie Depressionen nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung. Er gehe jedoch auch von einem steigenden Behandlungsbedarf etwa wegen anhaltender Gedächtnis- und Hirnleistungsprobleme, Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen aus.

In Thüringen gibt es laut DVE 344 Ergotherapie-Praxen, vor allem in städtischen Regionen wie Erfurt, Weimar, Jena und Eisenach. Bei einer Ergotherapie trainieren Menschen mit zum Beispiel durch Schlaganfälle oder Unfälle hervorgerufenen Handicaps Alltagsfähigkeiten wie Greifen oder Schreiben. Zum Spektrum gehört auch Hirnleistungstraining bei Demenz oder durch eine Chemotherapie verursachten Gedächtnisstörungen. Bei psychisch kranken Menschen kann eine Ergotherapie mit körperlicher Betätigung eine Psychotherapie ergänzen.

Der Therapeutenverband spricht von einem erheblichen Einbruch der Behandlungszahlen in der Pandemie. Laut Heilmittelbericht der gesetzlichen Krankenversicherung sank die Zahl der Ergotherapie-Rezepte in Thüringen im ersten Halbjahr 2020 um knapp 9 Prozent auf 48 000. Diese Verordnungen umfassten 499 000 einzelne Behandlungen, das ist ein Rückgang um gut 8 Prozent. Zudem hätten verunsicherte Patienten vor allem in der ersten Corona-Welle Behandlungen abgesagt, sagte Steinle. Schwierig sei es teils auch gewesen, nicht mobile Patienten in Pflegeheimen zu erreichen. Nicht alle Heime hätten den Zugang für Ergotherapeuten erlaubt - mit Folgen für die Patienten. «Die haben teilweise richtig abgebaut, zum Beispiel bei der Hirnleistung.»

Bis zur Corona-Pandemie hatten die Ergotherapie-Verordnungen etwa bei Thüringer AOK-Versicherten zugenommen. 2018 wurden nach Angaben der Krankenkasse knapp 38 000 Versicherte behandelt, 2019 waren es fast 41 500. Im ersten Pandemiejahr ging die Zahl nach vorläufigen Berechnungen auf weniger als 40 000 zurück. In der AOKplus ist mit rund 980 000 Menschen fast die Hälfte der Thüringer Bevölkerung krankenversichert.

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