Prozess um Geldautomatensprengung: Angeklagter schweigt

27.05.2021 Die Explosion war gewaltig, der Schaden immens und die Beute hoch: Bei der Sprengung eines Geldautomaten in Erfurt hatte eine Bande mehr als 126 000 Euro erbeutet. Einer der mutmaßlichen Täter steht jetzt vor Gericht.

Splitter und ein Schild mit der Aufschrift «Geldautomat» liegen auf dem Boden vor einem gesprengten Geldautomaten. Foto: Patrick Pleul/zb/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Prozess um einen gesprengten Geldautomaten hat sich der Angeklagte zum Auftakt nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der 45-Jährige muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Erfurt wegen der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, Sachbeschädigung und besonders schweren Diebstahls verantworten. Er soll im Februar vergangenen Jahres gemeinsam mit anderen, bislang noch unbekannten Komplizen in Erfurt-Mittelhausen einen Geldautomaten in einem Supermarkt gesprengt haben.

Laut Staatsanwaltschaft erbeuteten die Täter fast 126 500 Euro. Zudem verursachten sie einen Sachschaden von 70 000 Euro. Der Angeklagte habe in der Absicht gehandelt, sich eine Einnahmequelle zu verschaffen, sagte Staatsanwältin Juliane Gellert bei der Verlesung der Anklageschrift. Der dreifache Vater ist bereits mehrfach, auch einschlägig vorbestraft und saß in der Vergangenheit wiederholt in Haft.

Vor Gericht sprach der 45-Jährige von seinen Alkohol- und Drogenproblemen und von seinen abgebrochenen Ausbildungen unter anderem zum Lackierer. Nach eigenen Angaben lebte er vom Einkommen seiner Frau und von Zuwendungen seiner Eltern, von denen er monatlich rund 2000 Euro bekam. Ins Visier der Ermittler geriet der Angeklagte aufgrund von DNA-Spuren auf der Geldkassette. Die Täter hatten vor der Sprengung des Geldautomaten die Überwachungskamera mit Farbe besprüht.

Ein Zeuge, der gegenüber dem Supermarkt wohnt, sagte aus, in der Tatnacht einen lauten Knall gehört zu haben. Wenig später habe er einen dunklen Kombi gesehen, der sehr schnell weggefahren sei. In den Zeugenstand wurden am ersten Verhandlungstag auch Polizisten gerufen, die damals im Einsatz waren. Für den Prozess sind bis Anfang Juli zunächst noch vier weitere Verhandlungstermine angesetzt. Elf Zeugen sollen angehört werden. Eine Sachverständige wird zudem die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilen.

Geldautomatensprengungen sind in Thüringen kein Massenphänomen. Laut der Landespolizeidirektion gab es aber im vergangenen Jahr immer wieder einzelne Fälle, in denen sich Diebe an Automaten zu schaffen machten, um an Bargeld zu kommen. Die Polizei hatte 2020 die Presse über mindestens neun Geldautomatensprengungen in Thüringen informiert.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News