Hoffnung auf Corona-Impfungen für Teenager ab Juni

26.05.2021 In Thüringen leben etwa 100.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahre. Sie sollen sich bald gegen Covid-19 impfen lassen können - falls sie und ihre Eltern das wollen. Und noch eine andere Hürde ist zu nehmen - für den Impfstoff.

Eine Person wird geimpft. Foto: Sven Hoppe/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Thüringens Landesregierung hofft auf den Beginn der Corona-Impfungen für Heranwachsende bereits im Verlauf des Juni. Voraussetzung sei die baldige Zulassung eines Impfstoffs und eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission, geht aus einem Zeitplan hervor, über den die Landesregierung am Mittwoch in einem Spitzentreffen mit Vertretern von Lehrer- und Elternverbänden, Ärzten und Kommunen beriet. Ziel sei es, den 12- bis 18-Jährigen bis zum Beginn des Schuljahres 2021/22 ein Angebot für eine Erst- und auch schon für die Zweitimpfung zu machen, sagte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) am Mittwoch in Erfurt.

Geimpft werden soll in Impfzentren, in den Praxen von Kinder- und Jugendärzten und bei Bedarf und auf Wunsch von Schulen oder Eltern auch in Schulen, Internaten oder Wohnheimen. Geplant sind laut Werner überdies Familien-Impftage an den Impfzentren. In Thüringen leben rund 100.000 Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe. Dafür werden der Ministerin zufolge bis zu 200.000 zusätzliche Impfstoff-Dosen benötigt. Die Impfungen sind freiwillig und sollen mit dem Einverständnis der Eltern erfolgen, betonten neben Werner auch Ministerpräsident Bodo Ramelow und Bildungsminister Helmut Holter (beide Linke).

Bislang seien allerdings gravierende Fragen im Vorfeld der Impfungen noch ungeklärt, sagte Ramelow. Das gelte vor allem für die noch ausstehende Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Es bleibe abzuwarten, ob sie eine allgemeine Empfehlung für Kinder ab 12 Jahre oder nur für Kinder mit bestimmten Gesundheitsrisiken beziehungsweise für Kinder mit Risikopatienten in den Familien abgibt. «Wir werden uns selbstverständlich danach orientieren, welche Empfehlungen die Ständige Impfkommission macht», betonte der Regierungschef.

Mit Biontech/Pfizer hat der erste Hersteller eine EU-Zulassung für 12- bis 15-Jährige beantragt. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA will voraussichtlich an diesem Freitag ihre Entscheidung dazu bekanntgeben. Die Stiko hatte darauf verwiesen, dass ihr die Testdaten des Herstellers von rund 1000 Teenagern nicht ausreichen und sie sich eigene Klärungen für eine mögliche Empfehlung vorbehält. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern streben an, Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren bis Ende August ein Impfangebot zu machen.

Sobald die Zulassung der EMA und die Stiko-Empfehlung vorliege, «wollen wir in Thüringen auf den Knopf drücken», sagte Bildungsminister Holter. «Ich möchte den Kindern ihren Alltag zurückgeben.» Die Bildungsminister der Länder seien sich einig, dass es im kommenden Schuljahr wieder einen normalen Schulbetrieb mit Präsenzunterricht geben soll.

Holter wie auch Werner forderten die Bundesregierung auf, einheitliches Aufklärungsmaterial in möglichst einfacher Sprache für die Impfungen zur Verfügung zu stellen. Wichtig sei, auch sozial benachteteiligte Familien zu erreichen. Werner zufolge ist die Bereitschaft von Eltern, ihre Kinder gegen Covid-19 immunisieren zu lassen, hoch. Einer Studie der Universität Erfurt zufolge würden 66 Prozent der Eltern ihre 12 bis 15 Jahre alten Kinder impfen lassen. Bei Eltern von 16- bis 17-Jährigen seien es 64 Prozent.

Der Thüringer Lehrerverband (TLV) begrüßte die geplante Ausweitung der Corona-Impfungen auf Heranwachsende. Sein Vorsitzender Rolf Busch stellte sich allerdings gegen Impfungen in den Schulen. Diese seien bereits jetzt durch viele Zusatzaufgaben stark belastet.

Grundsätzliche Zustimmung kam auch von der FDP-Landtagsfraktion. Allerdings dürfe kein Impfstoff dafür zurückgehalten werden, der dann bei den Erwachsenen fehle, sagte der Abgeordnete Robert-Martin Montag. CDU-Fraktionschef Mario Voigt betonte, es dürfe keinen Impfzwang geben: «Der Schulbesuch darf nicht an eine Impfung geknüpft werden.» Vielmehr müssten Impfungen ergänzt werden durch Corona-Tests und auch die Ausstattung von Schulen mit Lüftungsgeräten.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hartung plädierte für die Beibehaltung von Tests an Schulen als weiteren Schutz für Kinder. Die AfD lehnt die Impfungen für Kinder und Jugendliche hingegen ab. Angesichts der fehlenden Stiko-Empfehlung sei dies unverantwortlich, monierte der AfD-Landtagsabgeordnete Denny Jankowski. Das Thema Kinder-Impfungen wollen am Donnerstag auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer beraten.

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