Ex-Freundin verletzt: Ex-Polizist zu langer Haft verurteilt

20.05.2021 Ein ehemaliger Polizist war wegen verschiedener Vorwürfe angeklagt. Doch eine Tat, mit der er nach Auffassung des Gerichts seine Ex-Freundin entstellt, wiegt besonders schwer.

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach einem blutigen Angriff auf seine frühere Freundin ist ein ehemaliger Polizist zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte seine ehemalige Lebensgefährtin im August vergangenen Jahres absichtlich attackiert habe, wie die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung am Donnerstag am Landgericht Erfurt sagte.

«Die Kammer ist überzeugt, dass er sich rächen wollte», so die Richterin. Er habe die Frau, die auch Nebenklägerin im Prozess war, für seine schwierige Lebenslage verantwortlich gemacht. Deshalb habe er ihr mit einem Messer dauerhaft das Gesicht entstellt. Die Frau leide noch an den Folgen des Angriffs, habe Schmerzen, besuche regelmäßig einen Psychotherapeuten und könne nicht mehr arbeiten.

Der 43-Jährige hatte im Prozess angegeben, sich nicht an die Tat erinnern zu können, aber andere Vorwürfe über Betrug und Diebstähle eingeräumt. Das Gericht aber hatte nach Zeugenaussagen des Opfers keinen Zweifel daran, dass der auch wegen schwerer Körperverletzung angeklagte Mann die Tat begangen habe. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass er gegenüber der Frau gewalttätig geworden sei.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil nahe am Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Diese hatte ebenfalls eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten unter anderem wegen schwerer Körperverletzung verlangt. Die Nebenklage hatte sich dem Antrag angeschlossen. Die Verteidigung plädierte dagegen auf verminderte Schuldfähigkeit und auf drei Jahre und vier Monate Haft. Indizien dafür, dass der Mann tatsächlich vermindert schuldfähig sein sollte, sah das Gericht aber nicht.

Nach Auffassung der Kammer täuschte der Mann über lange Zeit seine Dienstunfähigkeit vor, um die vollen Bezüge zu erhalten. Atteste von Fachleuten habe er sich quasi erschlichen. Zwar habe ein Experte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung attestiert. Diese soll aber nicht so stark ausgeprägt gewesen sein, als dass die Kammer ihr viel Bedeutung für die Taten zumaß. Mit Blick darauf, dass der Mann in diesem Jahr schließlich wegen Dienstunfähigkeit in Ruhestand versetzt wurde, sagte die vorsitzende Richterin, dass er bei Prüfung wohl seine Rechte als Ruhestandsbeamter verlieren werde.

Die Definition von Narzissmus als ausgeprägte Form von Selbstverliebtheit treffe auf ihn aber zu, sagte die Richterin zum Angeklagten. «Sie hielten sich für schlauer als Kollegen, kassierten unberechtigt Dienstbezüge.» Generell habe er sich als etwas Besseres als andere gesehen. Neben mehreren Diebstählen soll der Mann etwa in einem Hotel in Nepal die Rechnung nicht beglichen haben. Erst das spätere Opfer habe ihm Grenzen aufgezeigt. «Das ist ihr hoch anzurechnen», sagte die Richterin, auch wenn die Frau das dann bitter bezahlen habe müssen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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