Corona-Demo: Polizisten von wütenden Protestanten verletzt

27.04.2021 In Südthüringen eskaliert eine nicht angemeldete Demo von Corona-Gegnern. Ein im Netz kursierendes Video zeigt, wie sich die Wut der Protestanten auf Polizisten entlädt. Landespolitiker sind geschockt.

Ein leuchtendes Blaulicht auf einem Polizeiwagen. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Protestierende gegen Corona-Auflagen haben bei einer ungenehmigten Demonstration in Schmalkalden Polizisten angegriffen und zwei Beamte verletzt. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, hatten sich am Montagabend etwa 60 Menschen auf dem Altmarkt in Schmalkalden versammelt. Als die Beamten die Personalien eines Mannes aufnehmen wollten, der dem Anschein nach als Versammlungsleiter auftrat, seien Beamte angegriffen worden.

Ein 44-Jähriger habe einem Beamten unvermittelt gegen den Hals geschlagen und in der anschließenden Rangelei einen weiteren Polizisten zu Boden geworfen. Ein im Netz kursierendes Video zeigt, wie Polizisten von aufgebrachten Demonstranten umringt, beschimpft und angegriffen werden.

Die Beamten hätten sich schließlich mit Pfefferspray zur Wehr gesetzt und sich dann vor den aufgebrachten Demonstranten in Sicherheit gebracht. Die beiden verletzten Beamten wurden im Krankenhaus behandelt, der 44-Jährige habe eine ärztliche Behandlung abgelehnt. Seine Identität ist nach Angaben einer Polizeisprecherin vom Dienstag bekannt, er wurde bisher aber nicht festgenommen.

Innenminister Georg Maier (SPD) verurteilte den Angriff auf Twitter scharf. Er sprach von unerträglichen Szenen in Schmalkalden, die das Gewalt- und Hasspotenzial von Querdenkern zeige. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Der Rechtsstaat müsse konsequent gegen Radikalisierung und Hass vorgehen.

Die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) erklärte, die Auseinandersetzungen zeigten, dass die Hemmschwelle bei Corona-Leugner weiter sinke. «Die Corona-Leugner agieren skrupellos.» Auch die Landtagsfraktion der Grünen verurteilte den Angriff auf Polizisten scharf. Die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Madeleine Henfling, sieht eine zunehmende Radikalisierung der Querdenker. Jeder könne Kritik äußern. Aber dies müsse auf zivilisiertem Weg erfolgen und dürfe nicht andere Menschen gefährden. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Raymond Walk, erklärte, der Anstieg der Gewalt sei alarmierend. Es sei schon verstörend genug zuzusehen, wie ein gutes Dutzend Demonstranten gewalttätig werde. «Dass jedoch augenscheinlich niemand der weiteren Teilnehmer der Kundgebung deeskalierend einschreitet, sondern im Gegenteil die Gewalttaten mit ihren Handys auch noch filmen, zeigt deutlich, wie verkommen die Sitten der Corona-Gegner inzwischen geworden sind.»

Laut Walk wurden im vergangenen Jahr 227 Thüringer Polizisten im Einsatz angegriffen.

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