Nach brutaler Attacke: Bewährung für 18- und 19-Jährigen

22.04.2021 Erst war es ein harmloser Sonntag: Ein paar Jungs schlendern durch die Stadt, ein junger Mann radelt. Kurz darauf: Mehrere Festnahmen und ein lebensbedrohlich Verletzter. Wie es dazu kam, sollte nun vor dem Landgericht Meiningen geklärt werden.

Eine Figur der Justitia. Foto: Volker Hartmann/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach einer brutalen Attacke auf einen Radfahrer in Eisenach sind am Donnerstag zwei junge Männer zu Jugendstrafen von einem Jahr und vier Monaten und einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Die Strafen wurden vom Landgericht Meiningen zur Bewährung ausgesetzt. Sowohl der 18- als auch der 19-Jährige hatten aus Sicht des Gerichts mit massiver Gewalt auf den 33-jährigen Mann eingeschlagen. Es bezog jedoch vorangegangene Provokationen in das Urteil ein.

Die beiden jungen Männer mit syrischer und afghanischer Nationalität hatten im April 2020 in Eisenach mit «besonders gefährlicher Gewalteinwirkung» auf einen Radfahrer eingeprügelt. Der Mann hatte sie zuvor rassistisch beschimpft, war von seinem Rad gestiegen und in die Konfrontation gegangen.

Nachdem er zunächst angab, sich nicht zu erinnern, gab der Radfahrer schließlich zu, an den Jungen vorbeigefahren zu sein, sie gestoßen und «Scheiß Ausländer» gesagt zu haben. Dann habe er nach eigenen Aussagen das Rad weggeworfen und sei auf die Angeklagten zugegangen.

Die insgesamt vier jungen Männer, die sich etwas zu essen holen wollten, traten und schlugen daraufhin auf den Mann ein. Nach Angaben der Gerichtsmedizin erlitt er etliche Verletzungen und Brüche. Eine offene Schädelhirnverletzung schätzte die Gerichtsmedizinerin als lebensbedrohlich ein. Den beiden jungen Männern wurde zunächst vorgeworfen, die tödlichen Verletzungen billigend in Kauf genommen zu haben.

«Wir gehen nicht davon aus, dass sie in einem Tötungsansatz gehandelt haben», sagte die Vorsitzende Richterin, Manuela Pallasch, bei der Urteilsverkündung. Man habe den beiden Tätern zugutegehalten, dass es diese Provokationen und Beleidigungen gegeben habe, sagte die Richterin. Die massive Gewalteinwirkung auf den 33-Jährigen, nachdem er bereits auf dem Boden lag, sei allerdings «mit nichts und durch kein Verhalten» provozierbar und in keiner Weise zu rechtfertigen.

Beide Angeklagten entschuldigten sich vor Gericht. Die Situation sei eskaliert, es tue ihnen sehr leid. Zuvor hatte sich der Ältere zunächst als schlichten wollenden Beisteher bezeichnet und weitere Tatverdächtige beschuldigt. Sein jüngerer Freund hatte von Anfang an die Tat gestanden und sich auch bei dem Opfer entschuldigt. Das Gericht sah darin einen Grund für eine niedrigere Strafe.

Ursprünglich waren für den Prozess zwei Verhandlungstage angesetzt. In einem weiteren, noch nicht terminierten Prozess, soll die Schuld von zweier mutmaßlichen Mittätern erörtert werden.

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