Über 1000 Corona-Neuinfektionen: Schwerkranke verlegt

16.04.2021 Die Corona-Pandemie belastet die Thüringer Intensivstationen immens. Und angesichts von zuletzt täglich mehr als 1000 Neuinfektionen täglich droht eine weitere Verschlechterung der Situation.

Ein Mann hält ein Stäbchen für einen Abstrich für einen Corona-Test über ein Röhrchen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Situation auf den Intensivstationen in Thüringer Krankenhäusern bleibt äußerst kritisch. Zwar ging die Zahl der dort behandelten Covid-19-Erkrankten im Laufe des Freitags leicht auf 216 zurück, wie aus dem bundesweiten Intensivbettenregister hervorging. Dennoch ist die Situation so angespannt, dass Patienten in andere Bundesländer verlegt werden mussten. Am Freitag wurden fünf an Covid-19 erkrankte Patienten aus Thüringen zur Weiterbehandlung nach Hamburg, Niedersachsen und Bayern transportiert, wie der Intensivmediziner Professor Michael Bauer vom Universitätsklinikum Jena auf Anfrage sagte.

Die Schwerkranken, die ans Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, ein Krankenhaus in Bad Kissingen und zwei Kliniken in Wolfsburg und Osnabrück gebracht wurden, waren zuvor am Jenaer Klinikum beziehungsweise in Greiz behandelt worden. Die Vorbereitungen auf die Verlegung hatten am Donnerstag begonnen, wegen schlechten Wetters habe ein Hubschraubertransport aber auf Freitag verlegt werden müssen, sagte Bauer. Das Uniklinikum koordiniert die intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patienten in Thüringen.

Landesweit waren am Freitag noch knapp zehn Prozent der aktuell betreibbaren rund 700 Intensivbetten frei - wobei hier auch andere Schwerkranke wie Herz- und Krebspatienten oder Verletzte nach Unfällen versorgt werden müssen.

Entspannung in der Pandemiesituation scheint nicht in Sicht. Vom Donnerstag zum Freitag wurden erneut mehr als 1000 Neuinfektionen gemeldet, die Staatskanzlei gab deren Zahl mit 1039 an. Die Inzidenz, also die Zahl der Infektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag bei 256. Das entspricht dem Niveau der zweiten Pandemiewelle Ende Dezember. Thüringen bleibt das am schwersten von der Pandemie betroffene Bundesland. Unter den Landkreisen ist der Kreis Greiz mit einer Inzidenz von rund 473 bundesweiter Negativ-Spitzenreiter.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief am Freitag die Menschen in Thüringen auf, sich an dem bundesweiten Gedenken für die Todesopfer der Corona-Pandemie zu beteiligen. «Ich unterstütze diese Aktion ausdrücklich und bitte jeden und jede, in sich zu gehen und ein symbolisches Zeichen der Anteilnahme zu senden», erklärte Ramelow. Er verspüre angesichts der Verstorbenen eine große Betroffenheit und tiefe Trauer, so Ramelow. Das Leid jener Menschen, die wegen des Coronavirus geliebte Menschen verloren hätten, sei unvorstellbar, erklärte er an die Adresse von Corona-Leugnern und Kritikern der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Allein in Thüringen sind seit Pandemiebeginn mehr als 3600 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Nachgewiesen wurde das Virus bei 106 200 Menschen. Bundesweit sind die Menschen aufgerufen, an den Abenden von Freitag bis Sonntag als Zeichen der Erinnerung an die Corona-Toten brennende Kerzen in die Fenster zu stellen. In Berlin wird am Sonntag auf Initiative von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine zentrale Gedenkfeier für die Todesopfer der Pandemie abgehalten.

Die aktuellen Corona-Regeln in Thüringen sollen bis zum 9. Mai verlängert werden. Das sieht ein Entwurf zur Änderung der Corona-Verordnung vor. Die Verlängerung soll nächste Woche verkündet werden, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte. Hintergrund ist die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene, mit der deutschlandweit einheitliche Regeln eingeführt werden sollen. Sie waren am Freitag Thema im Bundestag. Die Verlängerung der Thüringer Verordnung bis in den Mai hinein solle sicherstellen, dass dann bereits die Bundesregeln gelten, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News