Flickenteppich: Schulbeginn nach Osterferien in Thüringen

09.04.2021 Montag ist offizieller Schulbeginn nach den Osterferien. Doch nicht alle Thüringer Schulen werden öffnen. Auch die Debatte um Regelungen zu Schutzmasken, Corona-Schnelltests und Abiturprüfungen dauert an.

«Coronavirus» steht auf einer Tafel in einem leeren Klassenzimmer. Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Kurz vor dem angedachten Schulbeginn nach den Osterferien am Montag ist klar: Nicht alle Thüringer Schulen werden öffnen. Viele Kinder und Jugendliche in Thüringen werden nach dem offiziellen Ferienende den Ranzen in der Ecke stehen lassen und zu Hause lernen müssen. In mehreren Thüringer Landkreisen sollen die Schulen wegen der Corona-Lage auch nach den Ferien am 12. April geschlossen bleiben. Das Bildungsministerium schaut optimistisch auf den nahenden ersten Schultag.

«Wir haben in den Osterferien alle Anstrengungen unternommen, um jede Schule mit den neuen Selbsttests zu versorgen. Heute kann ich sagen: Es ist gelungen», sagte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Freitag. Thüringen stattet derzeit Schulen mit Schnelltests für den Schulbetrieb aus. Diese Tests sollen Schülerinnen und Schülern sowie dem schulischen Personal nach den Osterferien kostenfrei und freiwillig zweimal wöchentlich zu Verfügung stehen.

Für Schülerinnen und Schüler über 11 Jahre stehen in Thüringen nach Angaben des Bildungsministeriums 297 000 Test bereit. Für Grundschulkinder soll ein so genannter Lolli-Test genutzt werden.
Davon sollen bereits 40 000 der bestellten 160 000 Tests eingetroffen sein. Der Teststart sei weitgehend abgesichert, hieß es. In Einzelfällen, in denen noch keine Masken angekommen seien, könnten Schulleitungen sich an die Staatlichen Schulämter wenden.

Angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen in ganz Thüringen haben Bildungsministerium und Gesundheitsministerium zudem vereinbart, die Maskenpflicht im Unterricht für alle Klassenstufen einzuführen. Die Regelung soll ab Montag und zunächst bis zum 24. April gelten.

In mehreren Thüringer Landkreisen sollen die Schulen wegen der Corona-Lage jedoch auch nach den Ferien am 12. April komplett geschlossen bleiben. Über die Hälfte der 23 Landkreise und kreisfreien Städte verzeichneten Stand Freitag mehr als 150 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - nach Weisung des Thüringer Gesundheitsamts muss ab dieser Inzidenz geprüft werden, ob die Einrichtungen zur Pandemiebekämpfung wieder zu schließen sind. Ob die Schulen zu bleiben, liegt aber im Ermessen der lokalen Behörden.

So entschieden etwa der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach, dass Schulen und Kitas geschlossen bleiben sollen. In der Stadt Eisenach lag die Sieben-Tage-Inzidenz zwar nur ganz knapp über 150, im Wartburgkreis aber zuletzt bei 290. Da viele Kinder aus dem benachbarten Kreis Schulen in Eisenach besuchten, sei eine konsequente Schließung beider Standorte sinnvoll, sagte Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke).

Die Schulen im Saale-Holzland-Kreis, der am Freitag eine Inzidenz von 254,4 meldete, sollen dagegen nach den Osterferien am 12. April wieder öffnen. Auch in Schmalkalden-Meiningen (249) geht es am Montag in den Präsenzunterricht. Im Landkreis Gotha mit einer Inzidenz von 279,4 und dem Saale-Orla-Kreis (198) sollen die Schulen voraussichtlich erst eine Woche später, am 19. April, wieder für den Präsenzunterricht öffnen. Die einwöchige Verzögerung soll bei der Vorbereitung auf die Schnelltests, die das Land an die Schulen schicken will, helfen.

Im Saale-Orla-Kreis, der es Ende März kurzzeitig zum Corona-Hotspot Nummer eins unter den Landkreisen bundesweit brachte, sollen diese Tests nach dem Willen von Landrat Thomas Fügmann (CDU) - anders als im Rest Thüringens - verpflichtend sein. «Angesichts der hohen Viruslast im Landkreis können wir eine Öffnung nur dann verantworten, wenn wirklich nur diejenigen Zutritt erhalten, die negativ getestet wurden.» Eine verbindliche Aussage dazu solle am Mittwoch bei der Vorstellung des Schulöffnungskonzepts für den Kreis getroffen werden.

Auch deutschlandweit wird es weiter keine einheitliche Linie für Schulen nach den Osterferien geben, wie die Kultusministerkonferenz (KMK) am Donnerstagabend mitteilte. Ob es eine Testpflicht für Schüler und Lehrer geben solle, sei unter den Kultusministern durchaus kontrovers diskutiert worden, sagte Bildungsminister Holter. «Thüringen setzt in den kommenden Tagen auf Freiwilligkeit.»

Einzige allgemeingültige Entscheidung: Abitur- und andere Abschlussprüfungen sollen trotz Corona-Pandemie stattfinden. «Wir haben beschlossen, dass die Abschlussprüfungen in allen Ländern stattfinden werden.»

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