Ärger um Astrazeneca - Vorgehen bei Zweitimpfung unklar

31.03.2021 Menschen unter 60 sollen den Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazeneca nicht mehr erhalten. Das hat Auswirkungen auf ihre Zweitimpfung. Welche - das ist noch unklar.

Heike Werner (Die Linke), Gesundheitsministerin von Thüringen. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach der vorsorglichen Altersbeschränkung für den Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist in Thüringen noch unklar, wie es mit den Zweitimpfungen für bereits einmal damit gespritzte Menschen unter 60 Jahre weitergeht. «Wir müssen jetzt abwarten, was die Ständige Impfkommission sagt», sagte Jörg Mertz, Impfmanager der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Betroffen sind rund 40 000 Frauen und Männer dieser Altersgruppe. Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) geht bislang nicht von gravierenden Auswirkungen auf die Kampagne aus, wie sie am Mittwoch erklärte.

Nach einem Beschluss der Gesundheitsminister von Bund und Ländern soll das Astrazeneca-Vakzin ab sofort nur noch für Personen ab 60 Jahre eingesetzt werden. Grund sind Hirnvenenthrombosen - Verstopfungen der Hirnvene durch Blutgerinnsel - , die zuletzt im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten waren, vorwiegend bei Frauen unter 55. In Thüringen gab es laut KV keine derartigen Fälle. Unter 60-Jährige sollen sich nach dem Bund-Länder-Beschluss auch «nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung» weiterhin damit impfen lassen können.

In Thüringen erhielten bisher rund 78 000 Menschen ihre Erstimpfung mit dem Astrazeneca-Mittel. 38 000 Menschen davon sind 60 Jahre und älter. «Bei denen bleibt alles, wie es ist», sagte Werner. Der Termin für die Zweitimpfung behalte seine Gültigkeit und könne problemlos wahrgenommen werden.

Geimpfte der jüngeren Altersgruppe werde man informieren, sobald man wisse, wie man mit der Zweitimpfung verfahre. Die KV hatte bereits Termine für Folgeimpfungen vergeben. Über Ostern werden laut KV
45 000 weitere Astrazeneca-Impfdosen erwartet, die für Folgeimpfungen gedacht sind. Diese sollen eigentlich Mitte April beginnen, so Mertz. «Wir müssen jetzt schauen, wie wir das machen.» Für Panik bestehe allerdings kein Grund. Es sei «etwas Luft» für Entscheidungen, sagte auch Ministerin Werner.

Astrazeneca wird in Thüringen bislang in großen Impfzentren wie auf der Messe Erfurt und an Wochenenden auch in regionalen Impfstellen eingesetzt. Die geplanten Impfungen entsprechend dem verfügbaren Impfstoff waren Mertz zufolge ohnehin abgearbeitet, bevor am Dienstagabend die Entscheidung der Minister gefallen sei. Die KV managt die Impfkampagne in den Impfstellen und -zentren.

Bereits Mitte März, nachdem der Einsatz des Mittels wegen Einzelfällen von Hirnvenenthrombosen bereits einmal unterbrochen war, mussten zahlreiche vereinbarte Erstimpftermine in Thüringen ausfallen. Bei den daraufhin für das Osterwochenende vereinbarten Nachholterminen im Impfzentrum Erfurt bleibt es aber - dort wird laut KV mit dem Mittel von Biontech/Pfizer immunisiert.

Ebenfalls unbeeinträchtigt von den Änderungen bei Astrazeneca sind die Corona-Impfungen in den besonderen Corona-Hotspots in Thüringen, darunter der Kreis Greiz und die Stadt Gera, für die am Montag 35 000 zusätzliche Impfdosen geliefert wurden. Auch hier wird mit Biontech immunisiert.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte am Dienstag die Altersbeschränkung für Astrazeneca empfohlen. In Deutschland sind bisher 31 Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen nach Impfungen mit Astrazeneca bekannt - bei rund 2,7 Milionen Erstimpfungen mit dem Wirkstoff. In Thüringen haben bislang fast 13 Prozent der Bevölkerung (fast 275 00 Menschen) eine Corona-Erstimpfung erhalten. 5,6 Prozent (knapp 120 000) wurden bereits zweimal gespritzt.

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