Jüdische Gemeinde unterstützt Idee für Begegnungszentrum

16.03.2021 Nicht nur in Erfurt stehen noch historische Zeugnisse der langen Tradition jüdischen Lebens in Thüringen. Auch im kleinen Dorf Berkach sind noch wichtige Gebäude erhalten. Und dort gibt es große Pläne.

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, mit Mundschutz. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Dorf Berkach soll nach Vorstellung eines Vereins und der Jüdischen Landesgemeinde ein Begegnungszentrum für Jugendliche unterschiedlichen Glaubens entstehen. Junge Menschen jüdischen, muslimischen und christlichen Glaubens, aber auch Atheisten sollen dort künftig zum Austausch aufeinander treffen können. «Mit der Synagoge, der jüdischen Schule, der Mikwe [einem jüdischen Ritualbad] und dem jüdischen Friedhof ist Berkach ein wesentliches Zentrum des früheren Landjudentums in Deutschland, was relativ gut erhalten ist», sagte der Vorsitzende der Landesgemeinde Reinhard Schramm.

So würde sich der Ausbau der Schule anbieten, um dort eine Art Jugendherberge entstehen zulassen. Vor Ort sei der Verein Jüdisches Ensemble Berkach sehr um die Entwicklung des Begegnungszentrums bemüht, sagte Schramm.

Bei einer im Internet übertragenen Veranstaltung am Dienstagabend in der Synagoge Berkach wurde auch die Idee für das Begegnungszentrum mehrfach aufgegriffen. Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, übergab einen Scheck über 5000 Euro an den Verein Jüdisches Ensemble Berkach.

«Im Kampf gegen Antisemitismus ist Bildung sehr wichtig», sagte Schuster. Deshalb seien Vorhaben wie in Berkach von Bedeutung. Wie wichtig Wissensvermittlung über das Judentum sei, zeige sich aktuell an vielen Beispielen. So würde gerade bei Corona-Demonstrationen deutlich, dass Antisemitismus im Netz zur Relativierung des Holocausts auf der Straße führt, wenn Teilnehmer sich etwa mit Anne Frank verglichen oder gelbe «Judensterne» tragen.

Der Beauftragte der Landesregierung für jüdisches Leben in Thüringen, Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke), erklärte mit Blick auf das Begegnungszentrum, dass es durchaus zu den Verpflichtungen des Freistaats gehöre, zu helfen, die Gebäude in Berkach nicht nur zu sanieren, sondern auch mit Leben zu füllen. Er sagte aber auch: «Wir müssen schauen, wie wir das gemeinsam hinkriegen.»

Auch der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, und der Bischof des katholischen Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, begrüßten die Idee für ein Begegnungszentrum. Sie sagten Unterstützung durch Jugendreferenten und Vernetzungsarbeit zu.

Die Veranstaltung war Teil des Projekts «Tora ist Leben» im Themenjahr «Neun Jahrhunderte jüdisches Leben in Thüringen». Dabei schreibt ein Rabbiner eine neue Torarolle für die Jüdische Landesgemeinde Thüringen. Die neue Tora ist ein Geschenk des Bistums Erfurt und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News