Ramelow fordert Extra-Impfdosen für Corona-Hotspots

14.03.2021 Enttäuschung und Hoffnung: Während ein Lieferengpass des Impfstoffherstellers Astrazeneca Thüringens Impfpläne durcheinander bringt, setzt Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) auf Extra-Dosen aus einem neuen EU-Kontingent. Sie sollen den Corona-Hotspots Linderung verschaffen.

Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, schaut in die Runde. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat sich dafür ausgesprochen, Corona-Hotspot-Landkreisen zusätzliche Impfdosen aus einem EU-Sonderkontingent zu geben. Er gehe davon aus, dass die Impfdosen aus diesem Kontingent bundesweit nur an Landkreise verteilt werden, deren Corona-Inzidenzwert bei mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner liege, sagte Ramelow am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Er habe über dieses Thema mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesprochen. «Ich verstehe die EU so, dass damit eine Sonderimpfung gemacht werden soll, wo hohe Belastungen sind», sagte Ramelow.

Hintergrund ist die Ankündigung, dass die EU in den nächsten Wochen über ein Sonderkontingent vier Millionen zusätzliche Impfdosen des Herstellers Biontech/Pfizer bekommen soll. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte deutlich gemacht, das Zusatzpaket sei ausgehandelt worden, um gezielt in Corona-Hotspots stärker impfen zu können. Deutschland kann mit rund 740 000 Impfdosen aus dem Kontingent rechnen. Ramelow forderte 80 000 bis 100 000 Impfdosen aus dem Kontingent für Thüringen.

Der Freistaat hat seit Wochen schon die höchsten Inzidenzwerte. Am Sonntag lagen sie bei 161,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Damit bleibt die Inzidenz im Freistaat mehr als doppelt so hoch als der bundesweite Wert, der am Sonntag bei 79,1 lag, wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorgeht.

Mit dem Landkreis Greiz liegt auch der bundesweit am stärksten von der Pandemie betroffene Landkreis in Thüringen. Am Sonntag lag die Sieben-Tage-Inzidenz dort bei 462. Auch die Landkreise Schmalkalden-Meiningen (302), Saale-Orla-Kreis (271), die kreisfreie Stadt Suhl (256) und der Wartburgkreis (226) lagen am Sonntag jenseits der 200er-Markierung bei der Corona-Inzidenz.

Unterdessen sorgten Lieferprobleme des Impfstoffherstellers Astrazeneca bei Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) für Unmut. Der Freistaat stoppte die Vergabe von neuen Impfterminen vorerst und muss auch den Start von Impfungen bei Hausärzten in einem Pilotprojekt verschieben, wie das Thüringer Gesundheitsministerium am Wochenende bekannt gab. Pläne für neue große Impfzentren im Norden und Süden des Landes wurden vorerst auf Eis gelegt.

Der Hersteller Astrazeneca hatte am Freitag bekannt gegeben, statt der zuletzt anvisierten 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern. Der Konzern begründete dies unter anderem mit Exportbeschränkungen.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) reagierte verärgert und bezeichnete die angekündigte Lieferkürzung als «absolut inakzeptabel». Nach Thüringen sollten kommende und die darauffolgende Woche 31 200 Astrazeneca-Impfdosen geliefert werden. Laut Gesundheitsministerium werden es nun nur noch 9600 sein.

Ursprünglich sollte noch im März in Thüringen ein Modellprojekt starten, bei dem erstmals auch Hausärzte Corona-Impfungen durchführen sollten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sollten dafür 10 800 Moderna-Impfdosen verwendet werden, deren Lieferung in der kommenden Woche erwartet werden. Nun müssen aber für bereits gebuchte Impftermine, bei denen Astrazeneca-Dosen genutzt werden sollten, die Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna verwendet werden.

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