Ethikunterricht stößt auf immer mehr Interesse

12.03.2021 Trotz regionaler Schwerpunkte - etwa im katholisch geprägten Eichsfeld - gilt Thüringen im Vergleich nicht als sonderlich religiöses Bundesland. Das zeigt sich auch beim Religionsunterricht.

Schulutensilien liegen auf einem Schultisch in der Erich Kästner Grundschule in Gera. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolfoto © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die in Thüringen den Ethikunterricht besuchen, steigt immer weiter. Hatten sich vor zwanzig Jahren noch 65,8 Prozent der Schüler beziehungsweise deren Eltern für das Fach entschieden, sind es im aktuellen Schuljahr 69,4 Prozent. Ethik ist eine Alternative zum Religionsunterricht. Darin geht es um Werteerziehung, Philosophie, sozial- und religionswissenschaftliche Fragestellungen.

Der Anteil der Schüler mit Religionsunterricht ist dagegen mit leichten Schwankungen relativ konstant geblieben: Aktuell sitzen 23,5 Prozent im evangelischen und 5,8 Prozent im katholischen Religionsunterricht. Im Schuljahr 2000/01 waren es jeweils 22,8 und 6,7 Prozent gewesen. Am höchsten war der Anteil der Mädchen und Jungen im katholischen Unterricht 2006/07 mit 7,3 Prozent, bei den Schülern im evangelischen Unterricht 2009/2010 mit 27,7 Prozent.

Nach Angaben des Bildungsministeriums ging innerhalb der vergangenen zwanzig Jahre die Gesamtzahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen von rund 281 100 auf etwa 197 200 zurück. Mit rund 171 000 gab es im Schuljahr 2009/10 die wenigsten Schüler. Seitdem steigt die Zahl wieder.

In Thüringen gibt es auch jüdischen Religionsunterricht. Der Freistaat hatte dafür als erstes neues Bundesland 1993 einen Staatsvertrag mit der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen geschlossen. Seit 2000/01 wird das Fach auch an den öffentlichen Schulen unterrichtet, hieß es beim Ministerium. Die Zahl der teilnehmenden Schüler ist seit jeher allerdings übersichtlich: Vor 20 Jahren waren es insgesamt 5, aktuell sind es 16. Allerdings seien in dem Fach auch schon erfolgreich Abiturprüfungen abgenommen worden. Aktuell unterrichte der Landesrabbiner die Schüler. Islamischen Religionsunterricht gibt es aktuell in Thüringen nicht.

Ab 14 Jahren dürfen Schüler selbst über die Teilnahme an Religions- und Ethikunterricht entscheiden. Vorher haben ihre Eltern das Recht. Die Teilnahme kann unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit erfolgen, wenn die Religionsgemeinschaft zustimmt.

Gemäß Schulordnung kann der Unterricht klassen-, klassenstufen- oder auch schulübergreifend eingerichtet werden. So könne geringen Schülerzahlen und regionalem Lehrermangel begegnet werden. Das ist etwa häufig beim katholischen Religionsunterricht der Fall, da Katholiken in Thüringen eine Minderheit sind.

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