Weiterer Encrochat-Prozess am Landgericht eröffnet

19.10.2021 Am Magdeburger Landgericht muss sich seit Dienstag ein 36-jähriger mutmaßlicher Drogendealer aus Blankenburg verantworten. Laut Staatsanwaltschaft soll er in nur einem Jahr Drogen im Wert von 362.000 Euro angekauft und verkauft haben. Darunter waren etwa sechs Kilogramm Crystal mit einem Wert von rund 80.000 Euro. Die Ermittler kamen dem Mann auf die Spur, weil es ihnen gelang, verschlüsselte Handys abzuhören.

Eine Figur der blinden Justitia. Foto: Christoph Soeder/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Diese Kryptohandys des ehemaligen Anbieters Encrochat galten in Dealerkreisen als beliebt, weil die Gespräche vermeintlich nicht abhörbar waren. Der Angeklagte soll gleich zehn solcher Handys besessen haben. Auch mehrere Waffen wurden bei ihm gefunden, darunter eine Pistole.

Der 36-jährige nahm schweigend die Verlesung der Anklageschrift zur Kenntnis und äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Richterin Claudia Methling machte darauf aufmerksam, dass dem Angeklagten wegen seines langen Vorstrafenregisters ohne Geständnis eine langjährige Haftstrafe droht. Diese könne über zehn Jahren liegen. Das Gericht wies aber auch darauf hin, dass mehrere aufgefundene Viehtreiber, Laserzielgeräte und E-Schocker, die in der Wohnung des Angeklagten gefunden worden waren, nicht der Strafbarkeit unterliegen, weil sie weit weg von den Drogen untergebracht waren.

Am Magdeburger Landgericht wurden bereits mehrere Prozesse geführt gegen Straftäter, die durch das Hacken der Encrochat-Handys aufgeflogen waren. Alle sind zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden, sagte Gerichtssprecher Christian Löffler. Durch den Ermittlungserfolg der französischen Polizei sei es gelungen, Dealer aus der mittleren Ebene zu überführen.

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